Berlin - Engelbert Lütke Daldrup, 60, ist für den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) so eine Art organisatorisch-fachliche Wunderwaffe. Müller holte den erfahrenen Stadtplaner im Frühjahr 2014 aus Thüringen nach Berlin, als er selbst noch Senator für Stadtentwicklung war.

Lütke Daldrup blieb dann auch unter Müllers Nachfolger Bau-Staatssekretär, übernahm aber zusätzlich die Aufgabe des „Flughafenkoordinators“ für Berlin – blieb also stets im Nahkontakt mit BER-Aufsichtsratschef Müller. Doch seit die Stadtentwicklung bei Rot-Rot-Grün kein SPD-Ressort mehr ist, war auch die Personalie Lütke Daldrup offen. Doch Müller hat jetzt eine Lösung für sein stets sehr selbstbewusst auftretendes Universaltalent gefunden.

Lütke-Daldrup – der zunächst ohne Staatssekretärsamt nur noch die Flughafenkoordinierung weiterführen sollte – hat in der Senatskanzlei nunmehr eine Doppelfunktion: Er ist zum einen Staatssekretär für das Flughafenthema – ähnlich wie sein brandenburgischer Kollege Rainer Bretschneider.

Zum anderen darf er seine planerischen und stadtentwicklungspolitischen Interessen fortführen, denn Lütke Daldrup ist ab sofort auch zuständig für das Thema „Strategien für Berlin“. Dies dürfte bewusst etwas visionär-wolkig formuliert sein, dem Vernehmen nach geht es um die Megabereiche wachsende Stadt, große Projekte, um sozialen Zusammenhalt und um weitere „Sonderaufgaben“. Eine prima Spielwiese jedenfalls für Müllers Tausendsassa, der offenbar wie eine Ein-Mann-Enquete-Kommission eingesetzt werden soll.

Reibungsflächen in der Koalition

Doch das schafft auch Reibungsflächen in der Koalition. So ist für Themen der Stadtentwicklung eigentlich die gleichnamige Senatsverwaltung zuständig, geleitet von Senatorin Katrin Lompscher (Linke). Ob sie in dem bestens vernetzten Spitzenbeamten eine absichtsvoll konstruierte Konkurrenz, gar einen Aufpasser in der Senatskanzlei sieht oder nicht, ist bisher nicht bekannt. Verwunderlich wäre es nicht.

Doch Müller hat sich mit der Berufung Lütke Daldrups zum Staatssekretär auch Probleme an anderer Stelle geschaffen. Erstens hat die SPD jetzt noch mehr Männer auf Staatssekretärsebene als zuvor. Und es fehlt immer noch, seit fast drei Monaten, eine Senatssprecherin respektive ein -sprecher. Bisher war der für die Außendarstellung höchst relevante Posten ebenfalls eine lukrative Staatssekretärsstelle. Das geht nun nicht mehr. Damit aber werden auch die Interessenten knapper, zumal der rot-rot-grüne Katastrophenstart nicht gerade attraktiv wirkt für Menschen, die derlei künftig hauptberuflich verkaufen müssten. Man telefoniere viel, heißt es.