Berlkönig: BVG plant Rufbusse ins Berliner Umland

Der Berlkönig könnte bald Geschwister bekommen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen ein solches Mittelding zwischen Rufbus und Sammeltaxi künftig auch außerhalb der Innenstadt anbieten.

„Unsere Idee ist, dass Vans oder Kleinbusse Schnellbahnstationen im Berliner Außenbereich mit anliegenden Wohngebieten möglicherweise auch im benachbarten Brandenburg verbinden“, sagte Sigrid Evelyn Nikutta, die Vorstandsvorsitzende des Landesunternehmens, der Berliner Zeitung am Freitag. Einer der möglichen Startpunkte auf Berliner Gebiet könnte der U-Bahnhof Hönow sein. Die Endstation der Linie U5 liegt an der Grenze zum Landkreis Märkisch-Oderland.

Möglichst viele Fahrgäste

Es geht um Ridesharing – und das funktioniert so: Wer mitfahren will, zückt sein Mobiltelefon und teilt per App mit, wo die Fahrt beginnen und wo sie enden soll. Ein Computer koordiniert die Wünsche und stellt die Routen zusammen.

Ziel ist es, dass sich möglichst viele Fahrgäste die Autos teilen – das senkt die Betriebskosten. Vorteil für die Nutzer ist es, dass sie keine Fahrpläne beachten müssen und direkt ans Ziel oder zumindest in dessen Nähe gefahren werden. Dafür müssen sie im Berlkönig mehr zahlen als in einem BVG-Bus – aber nicht so viel wie im Taxi.

Berlkönig fährt rund um die Uhr

„Mit dem Berlkönig, der seit September unterwegs ist, haben wir gezeigt, dass ein solches Angebot praktisch funktioniert“, sagte Nikutta. „Darum sind wir zuversichtlich, dass es sich auch außerhalb des jetzigen Einsatzgebiets bewähren würde.“ Davon könnten Pendler profitieren, die mit der S- oder U-Bahn an den Stadtrand fahren und für die letzte Meile nach Hause eine Fahrmöglichkeit benötigen.

„Derzeit sind viele auf diesem Abschnitt ihrer alltäglichen Fahrt noch mit dem eigenen Auto unterwegs. Allerdings könnte der öffentliche Nahverkehr auch einen Teil dieser Autofahrten ersetzen – mit Vans oder Kleinbussen, die sich per App rufen lassen und die ihre Nutzer dann vor die Haustür oder in die Nähe bringen“, so die BVG-Chefin.

„Klar ist, dass es sich auch hier um On-Demand-Ridesharing handeln wird. Das heißt: Im Idealfall werden viele Fahrten gepoolt, das heißt, Fahrgäste mit ähnlichen Zielen fahren zusammen“, sagte sie. „Entweder suchen wir neue Partner, oder die Fahrzeuge fahren mit BVG-Personal.“ Über Details und die Finanzierung sei noch zu sprechen. Ein Projektantrag beim Bund ist gestellt.

Einsatzgebiet und Fahrpreise bleiben

Bislang wurde der Berlkönig für mehr als 10.000 Fahrten genutzt, und die App, mit deren Hilfe die Kunden ein solches Fahrzeug bestellen können, wurde 30.000-mal heruntergeladen. Zunächst waren die 50 Limousinen von Mercedes-Benz, die an den Seiten das wilde Anti-Graffiti-Sitzbezugmuster der BVG tragen, freitags und sonnabends von 17 bis 5 Uhr unterwegs. Doch ebenfalls am Freitag gab der BVG-Partner Via Van bekannt, dass der Berlkönig nun täglich rund um die Uhr fährt.

„Außerdem wird die Zahl der Fahrzeuge, die von ViaVan mit eigenen Fahrern betrieben werden, zügig auf 300 steigen“, ergänzte Nikutta. „Dabei wird auch der neue elektrische eVito verstärkt zum Einsatz kommen.“

Am Einsatzgebiet, der östlichen Innenstadt und dem Michelangelokiez, ändert sich nichts. Auch nicht am Fahrpreis: Ein Kilometer kostet 1,50 Euro, jede Fahrt mindestens vier Euro. Registriert der Computer hohe Nachfrage, kommt ein 25-prozentiger Zuschlag dazu. Werden Mitfahrer angemeldet, zahlen diese jeweils nur die Hälfte. Das Prinzip, das der Ein- und Ausstieg ausschließlich an 621 Bus- und 4 423 virtuellen Haltestellen möglich ist, bleibt ebenfalls.

Taxigewerbe bietet Kooperation an

Anfangs hatte die BVG auch mit dem Taxigewerbe gesprochen. „Es wäre sinnvoll, wenn die BVG noch einmal über eine Zusammenarbeit nachdenken würde. Wir stehen bereit“, sagte Hermann Waldner von Taxi Berlin. In den Außenbezirken würden sich viele Bürger darüber freuen, wenn Großraumtaxis sie abends vom U-Bahnhof vor die Haustür oder in die Nähe bringen würden.

„Ein solcher Fahrdienst wäre zu einem attraktiven Sondertarif möglich“, so Waldner. „Großraumtaxis können je nach Typ fünf bis acht Fahrgäste befördern, damit wären sie für die BVG sehr kostengünstig.“

Der Fahrgastverband IGEB und andere Kritiker bemängeln, dass sich die BVG lieber um ihr Hauptgeschäft kümmern sollte, als sich mit neuen Ideen zu verzetteln. Oft fielen Fahrten aus, die U-Bahn habe zu wenige Züge. Nikutta dazu: „Natürlich kümmern wir uns nicht nur um neue Projekte wie den Berlkönig, sondern vor allem um unser Kerngeschäft.“