Eine von bis zu 185 Limousinen des Berlkönigs, die vor der Coronakrise in der Berliner Innenstadt unterwegs waren. Jetzt sind es weniger Fahrzeuge.
Foto: BVG/ViaVan

BerlinAb Mittwoch nimmt der Fahrdienst Berlkönig  keine regulären Aufträge mehr an. Vom 25. März bis zum 19. April wird das Angebot ausgesetzt. So lange stehen die Limousinen ausschließlich Beschäftigten des Gesundheitswesens zur Verfügung- täglich zwischen 21 und 5.30 Uhr sowie für die Nutzer kostenlos. Das gaben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die den Berlkönig zusammen mit ihrem Partner ViaVan betreiben, jetzt bekannt.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage haben sich die beiden Unternehmen darauf verständigt, den Berlkönig in einen "Corona-Sondereinsatz" zu schicken, wie es hieß. Die Fahrzeuge werden nachts das Angebot des Nahverkehrs ergänzen, um die Berlinerinnen und Berliner zu unterstützen, die zur Arbeit in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen fahren. Ärztliches Personal, Pflegepersonal, medizinische Fachangestellte und Rettungskräfte des Gesundheitswesens können sich in der Berlkönig-App mit einem Foto Ihres Dienst- oder Beschäftigtenausweises registrieren. Dann steht ihnen der Fahrdienst täglich von 21 bis 5.30 Uhr exklusiv und kostenlos für die Beförderung von Tür zu Tür zur Verfügung

Höchstens drei Fahrgäste pro Limousine

"Für diese besondere Leistung weiten wir das Bediengebiet temporär auf den gesamten Innenstadtring und einige weitere Gebiete aus", teilte die BVG weiter mit. Normalerweise ist der Berlkönig ausschließlich innerhalb des S-Bahn-Rings (Tarifgebiet Berlin A) und in wenigen Nachbarbereichen unterwegs. Während des Corona-Sondereinsatzes sollen die schwarzen Limousinen mit dem Urban-Dschungle-Camouflagemuster der BVG auch in großen Teilen des Tarifgebiets Berlin B unterwegs sein. Das erweiterte Bediengebiet umfasst unter anderem  das Messegelände mit dem neu entstehenden Corona-Behandlungszentrum  sowie Teile von Wilmersdorf, Pankow und Weißensee - um nur einige Beispiele zu nennen.

Ein entsprechender Antrag wurde beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) eingereicht, so die BVG. Da das Angebot für die Fahrtberechtigten kostenlos ist, unterliege es keiner Genehmigungspflicht nach dem Personenbeförderungsgesetz.

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Im Zeichen der Coronakrise gelten aber besondere Schutzmaßnahmen, so die BVG. Da es sich beim Berlkönig um einen Ridesharing-Dienst handelt, wird normalerweise angestrebt, alle Sitzplätze zu füllen - mit Fahrgästen, die dasselbe oder ein ähnliches Ziel haben  Derzeit gilt jedoch, dass die Zahl der Fahrgäste pro Limousine auf maximal drei beschränkt wird, um mehr Abstand zu anderen Fahrgästen zu erlauben. Außerdem würden die Fahrzeuge regelmäßg "professionell desinfiziert", hieß es weiter. Das Personal, aber auch die Fahrgäste werden angehalten, zu Hause zu bleiben, wenn sie sich unwohl fühlen.

SPD-Politiker fordert Ausweitung des Fahrgebiets

„Mit unseren großen Bussen und Bahnen bieten wir allen Berlinerinnen und Berlinern, die auch in dieser schwierigen Situation mobil sein müssen, ein weiterhin zuverlässiges und stabiles Angebot", sagte Rolf Erfurt, Betriebsvorstand der BVG. "Höchstleistung bringen aktuell auch die Beschäftigten im Gesundheitswesen, die Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen und -pfleger. Dafür sagen wir nun mit unserem Berlkönig-Sonderfahrten danke!“

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„Systemrelevante Arbeitskräfte zuverlässig und sicher zur Arbeit zu bringen war noch nie wichtiger als heute, so Chris Snyder, Chef von ViaVan in den USA. "Digital optimierte Verkehrsdienste wie der BerlKönig können eine Schlüsselrolle dabei spielen, dass sich der öffentliche Verkehr in sich schnell ändernden Situationen an die Nachfrage anpassen kann. Wir sind stolz darauf, in diesen herausfordernden Zeiten die Mobilität von systemrelevantem Personal im Berliner Gesundheitswesen zu unterstützen.“

Das Angebot sei einer "guter erster Schritt", lobte der SPD-Verkehrspolitiker Tino Schopf. Doch er forderte, das Einsatzgebiet des Berlkönigs auf das gesamte Stadtgebiet auszuweiten. "Hier sehe ich dringend Verbesserungsbedarf", so der Abgeordnete. "Es kann nicht sein, dass medizinisches Personal aus den Berliner Außenbezirken ausgeschlossen wird." Dort sei das reguläre Nahverkehrsangebot nicht so gut wie in den innerstädtischen Bereichen.

Wie berichtet gibt es immer wieder Diskussionen über den Berlkönig. Das Taxigewerbe sieht den Ridepooling-Dienst, der auf Zuschüsse seiner finanzstarken Betreiber angewiesen ist, als Konkurrenz. Taxiunternehmen hätten keinen Geldgeber im Hintergrund, der Defizite trägt, kritisieren sie. Dagegen betont die BVG, dass es kaum Schnittmengen gebe. Die meisten Berlkönig-Nutzer hätten zuvor Taxis nicht oder nur selten genutzt.

Berlkönig könnte in die Verlängerung gehen

Wie ebenfalls berichtet ist der Fahrdienst bislang auf Ende April 2020 befristet. Dem Vernehmen nach bemühen sich die Beteiligten aber, den Berlkönig mindestens einige Wochen lang weiterfahren zu lassen, um Zeit für eine Diskussion über den Fortbestand zu gewinnen. In der rot-rot-grünen Koalition stehen viele Akteure dem Angebot in seiner jetzigen Form kritisch gegenüber. Dagegen setzt sich die BVG dafür ein, das Bediengebiet auszuweiten und den Berlkönig in das reguläre Gesamtberliner Nahverkehrsangebot zu integrieren - was aber bei einem berlinweiten Einsatz jährliche Landeszuschüsse von 43 Millionen Euro erfordern würde.

Allerdings ist der Doppelhaushalt 2020/21 bereits beschlossen, und Abgeordnete sehen keine Veranlassung, das Finanzpaket wieder aufzuschnüren. Im Senat hieß es, dass auf jeden Fall ein Vergabeverfahren erforderlich würde, wenn das Ridepooling-Angebot in welcher Form auch immer fortgeführt würde. Eine Direktvergabe an ViaVan ohne Ausschreibung wäre ausgeschlossen, so Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne).