Berlin - Fotografen und Kameraleute, die in Berlin zuweilen ein hartes Brot zu kauen haben, dürfen sich an mindestens einem Abend pro Jahr zuverlässig reich beschenkt fühlen. Für sie muss es sich wie das Zusammentreffen von Weihnachten und Geburtstag anfühlen, die Promi-Parade aus Kultur, Politik, Fernsehen und Sport bei der jährlichen Bertelsmann-Party vor die Linsen zu bekommen.

Mit dermaßen üppigen Gästelisten kann sonst kaum ein Veranstalter aufwarten: In der Bertelsmann-Vertretung mit ihrer an Exklusivität kaum zu übertreffenden Adresse Unter den Linden 1 fanden sich am Donnerstagabend Stammgäste wie Günther Jauch, der Boxer Wladimir Klitschko und die Schauspieler Hannes Jaenicke und Sebastian Koch ein. Verleger Hubert Burda kam mit seiner Gattin, der Schauspielerin Maria Furtwängler. Auch Sängerinn Maite Kelly und die Bundesminister Wolfgang Schäuble, Philipp Rösler, Daniel Bahr und Peter Ramsauer gehörten zu den etwa 600 Gästen.

Extreme Umgangsformen

Den alljährlichen inoffiziellen Wettbewerb um die höchsten High Heels gewann diesmal Selbstvermarktungsgenie Verona Pooth, dicht gefolgt von Schauspielerin Alexandra Kamp und Ex-Eiskunstlaufstar Katarina Witt (per Augenmaß, nicht mit Lineal, ermittelt). In Fragen Umgangsformen konnte man an diesem Abend Extreme erleben. Während Gäste der alten Schule wie Frisör Udo Walz bei der Begrüßung durch Gastgeberin Liz Mohn formvollendet einen Handkuss andeuteten, setzte Ex-Boxer Axel Schulz seine beknackte Werbe-Mütze noch nicht einmal dabei ab.

Droht da etwa eine saftige Vertragsstrafe, wenn er sich mal ohne die Reklame-Kappe erwischen lässt? Tenor Tobey Wilson, ein notorischer Duzer, macht bei der Anrede von Liz Mohn, für die er schon oft gesungen hat, eine Ausnahme: „Frau Mohn spreche ich mit Sie und Chefin an.“

Die Dekorations- und Programmideen dieses Abends folgten dem strategischen Kurs des Bertelsmann-Konzerns, der zu den größten Medienfirmen der Welt gehört und in den dynamisch wachsenden Regionen der Welt seine Präsenz verstärken will. Deshalb sah es im Haus chinesisch, indisch und brasilianisch aus. Für die Unterhaltung der Gäste hatte man die Bollywood-Tanzgruppe „Bolly Flex“ engagiert. Praktischerweise kommt die aus Großbritannien, was die Anreise stark verkürzte.

Rockrhythmen und Klassik vom DigiEnsemble Berlin

Auf der Dachterrasse verzierten chinesische Kalligrafinnen Lampions und Fächer. Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, umschrieb das Ziel der diesjährigen Party seines Konzerns in Berlin so: „Bei Bertelsmann herrscht Aufbruchstimmung – und eben diese Stimmung möchten wir unseren Gästen heute Abend vermitteln.“ Als Hinweis darauf, dass neben China, Brasilien und Indien auch das Internet viel Raum für Bertelsmann zur Entfaltung bietet, war ein ganz besonderer Programmpunkt gedacht: Das DigiEnsemble Berlin spielte Rockrhythmen und Klassik.

Dessen Mitglieder sehen auf den ersten Blick wie gelangweilte Konzertbesucher aus, die auf ihren Mobiltelefonen und Tablet-Computern herumspielen. Dabei musizieren sie auf den kleinen Gerätschaften, die andere zur Kommunikation benutzen. Ihr Repertoire reicht von der schwierigen Händel-Arie bis zum Pop-Hit „I Need A Dollar“ des amerikanischen Soulstars Aloe Blacc. Das Ensemble kommt weit herum (es spielte schon in Kairo), besteht aus professionellen Musikern und wird von den Berufskollegen, die noch auf ganz traditionellen Instrumenten spielen, inzwischen auch ernst genommen, wovon ein Auftritt beim Neujahrskonzert im Gewandhaus Leipzig kündet.