Fahima Aktar arbeitet im Berliner Hotel Guldsmeden in der Potsdamer Straße als „Hausdame“, das heißt sie leitet dort ein Team von Zimmermädchen, das dafür sorgt, dass jeder Gast sein Zimmer stets aufgeräumt und geputzt vorfindet.

Die Liste der Anzeigen „Hausdame gesucht“ im Internet ist ziemlich lang. „Hausdame“? Das klingt etwas altmodisch und wird deshalb mittlerweile oft durch „Housekeeping“ ersetzt. Übrigens auch, um korrekt nach einem männlichen Bewerber suchen zu können, einem „Housekeeping-Manager“. Aber ob sie oder er: Beide sollen ein Team leiten, also eine Gruppe von Zimmermädchen oder „Roomboys“, die die Betten im Hotelzimmer beziehen, die Hygieneartikel in den Badezimmern auffüllen, die Handtücher wechseln und Zimmer sowie Bad und Toiletten säubern.

Studium in Schleswig-Holstein

„Das wollen nicht viele machen, für andere putzen“, sagt Fahima Aktar. „Der Job hat ein schlechtes Image.“ Die 33-Jährige sagt das mit einem Lächeln und macht keineswegs den Eindruck, als ob sie damit ein Problem hätte. Resolut, gut gekleidet, ein Heft und einen Stift in Griffweite, erzählt sie konzentriert und engagiert von ihrem Job. Sie mache diese Arbeit gern, sagt sie. Und der Verdienst sei auch gut.

Fahima Aktar stammt aus Bangladesch, 1985 wurde sie in der Hauptstadt Dhaka geboren. Nach der Schule studierte sie dort an der Universität Geografie und Hotel-Management. Sie aber wollte in den Tourismus, das entsprechende Studium jedoch gab es damals nur im Ausland und nur in wenigen Länder, darunter in Deutschland – die Fachhochschule Westküste im schleswig-holsteinischen Ort Heide beispielsweise. Sie war erst 1993 gegründet worden, hatte aber schon einen sehr guten Ruf, als sich Fahima Aktar – inzwischen verheiratet – dort für den Studiengang Internationales Tourismus-Management bewarb.

Ihr Mann studierte bereits seit 2012 in Deutschland, und auch ihre Eltern sowie Schwiegereltern – die in Dhaka zur oberen Mittelschicht gehören – unterstützten den Plan. „Zudem hatten Freunde meiner Familie Deutschland als Studienort empfohlen“, erklärt die junge Frau. „Sie erzählten uns, dass es ein sehr sicheres Land ist, liberal, offen und mit hohen Ausbildungsstandards.“

Sie bewarb sich an der Fachhochschule, wurde sofort angenommen und bekam auch ein Visum. „Das war damals sicher viel einfacher als heute“, sagt sie. Während des Studiums hat sie einen Sohn geboren, inzwischen auch ihre Ausbildung abgeschlossen und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Alle sechs Monate muss sie zwar ihr Visum verlängern. „Das ist aber bisher noch nie ein Problem gewesen,“ sagt sie.

„Wir haben hier viele Freunde, deutsche und Zugereiste“

Während ihrer Berufspraktika hatte Fahima Aktar auch in Hamburg und Düsseldorf gearbeitet. Doch weder dort noch in Berlin habe sie in all den Jahren schlechte Erfahrungen gemacht, also feindliche Angriffe oder rassistische Pöbeleien erlebt. Einzig im vergangenen Jahr sei sie in einem Zug von einer Frau beschimpft worden. Fahima Aktar erzählt zwar davon, tut es aber als nebensächlich ab. Die Frau sei verwirrt gewesen, meint sie. Zudem hätten ihr sofort zwei Reisende beigestanden. „Mein Mann und ich, wir fühlen uns hier tatsächlich sicher,“ sagt sie. „Wir haben hier viele Freunde, deutsche und Zugereiste.“

Sie würde gern hierbleiben. Aber sie weiß noch nicht, wohin sie und ihre Familie gehen werden, wenn ihr Mann im Juli 2020 sein Studium beendet haben wird. „Das hängt davon ab, ob wir eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen und wo unser Sohn zur Schule gehen soll.“

Hauswirtschaftliche Vorkenntnisse und ein freundliches Wesen seien für den Job hilfreich

Aber vorerst steht ihr Job im Vordergrund, der ihr Freude macht. Das Hotel wird nach strengen ökologischen Standards geführt, zum Beispiel werden für die Gastronomie Bio-Lebensmittel verbraucht, Wasser gespart, Abfall nach Möglichkeit vermieden und der Plastikverbrauch reduziert. Fahima Aktar kann also genau das anwenden, was sie im Studium gelernt hat.

In diesem Sinne schult sie auch ihr Team, zu dem derzeit acht Frauen und Männer gehören, die aus Afghanistan, Pakistan oder Rumänien stammen. Sie hat ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen selbst ausgesucht, geprüft und ausgebildet. Um in diesem Job zu arbeiten, braucht es keine spezielle Qualifikation. Aber hauswirtschaftliche Vorkenntnisse, Erfahrung im Umgang mit Putzmitteln, gute Umgangsformen und ein freundliches Wesen seien durchaus hilfreich, sagt Fahima Aktar.

Keine einzige Beschwerde

Die Zusammenarbeit sei sehr gut, obwohl es ihr Job ist, die Arbeit der Frauen nachzuprüfen. Das gehört genauso dazu wie die Kontrolle des Materialverbrauchs, die Ausstattung der Zimmer und der Badezimmer mit Dekorations- und Hygieneartikeln. „Jedes Zimmer soll den gleichen Standard haben, alles dort an seinem Platz stehen“, erzählt Fahima Aktar. Anfangs habe sie selbst Zimmer in dem Hotel geputzt. „Ich musste doch wissen, wie die Arbeit abläuft und was ich dann wie kontrollieren muss“, sagt sie.

Ein Gradmesser für die Qualität ihrer Arbeit und der ihres Teams sei die Anzahl der Beschwerden, erklärt Fahima Aktar. „Im letzten Monat hat es keine einzige gegeben.“