Beschneidungsrituale in Afrika: Alle tun es, das ist Tradition

Berlin - Die 57-Jährige Hadja Kitagbe Kaba, die seit 28 Jahren in Berlin lebt und vier Kinder hat, kämpft gegen die grausame Praxis der Beschneidung. Im Jahr 2000 hat sie den Verein Mama Afrika gegründet, mit dem sie Afrikanerinnen in dieser aber auch in anderen Lebenslagen unterstützt. Ihr Büro befindet sich im Märkischen Viertel.

Frau Kaba, Sie selbst sind in Ihrem Heimatland Guinea mit sieben Jahren beschnitten worden. Haben Sie Erinnerungen daran?

Ja, natürlich. Ich erinnere mich an die Schmerzen. Und ich weiß, dass ich glücklich war.

Gücklich?

Ja, Beschneidung ist ein Grund zum Feiern. Das Fest beginnt eine Woche vorher. Es gibt gutes Essen, es wird getanzt und gesungen. Es ist absurd.

Wer beschneidet die Mädchen? Und warum passiert es, obwohl es in Guinea seit 1969 verboten ist?

Das machen die Tanten oder Bekannte. Oft geschieht es auch in Krankenhäusern. Ärztinnen beschneiden, Pflegerinnen … Das Alter ist egal, es trifft Babys, aber auch ältere Mädchen. Es gibt keinen echten Grund. Es wird gesagt, man beschneidet, damit Frauen den Männern nicht nachlaufen, sie keine Lust auf Sex haben. Das ist aber gar nicht so. Es wird gemacht, weil es alle machen. Aus Tradition. Das Verbot hat nur dazugeführt, dass es ein noch größeres Tabu ist.

Was können Sie hier in Berlin tun?

Die Frauen hier sind alle beschnitten. Ich kenne keine Frau aus Guinea, die nicht beschnitten ist. Ich rede mit Müttern von Töchtern. Es ist schwer für sie, sich gegen die Familie zu stellen. Wir bauen gerade einen Kindergarten in meinem Heimatort Kankan. Es soll ein Bildungsort für Frauen werden. Unsere einzige Chance ist Aufklärung. Vielleicht schaffen wir es einmal, dass nicht mehr 99 Prozent beschnitten sind, sondern 80 Prozent.

In Berlin soll es möglich werden, mit plastischer Chirurgie die Genitalien wiederherzustellen. Eine gute Idee?

Ja. Es gibt viele Frauen, die sehr große Probleme seit ihrer Beschneidung haben. Für die ist es vielleicht eine Chance.

Das Gespräch führte Elmar Schütze.