Dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ist es noch nicht gelungen, sämtliche Bewohner der seit Ende 2012 besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule zum Umzug zu bewegen. Etwa 40 Bewohner harren derzeit laut Angaben der Behörden noch in dem Gebäude und auf dem Dach aus. Ein Unterstützer, der sich im Haus aufhält, nannte der Berliner Zeitung dagegen die Zahl von rund 80 Personen. Rund vierzig Menschen befänden sich auf dem Dach, vierzig weitere im Haus.

Sie wollen mit Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) persönlich verhandeln und verlangen, dass alle Flüchtlinge aus der Schule und vom Oranienplatz ein Bleiberecht erhalten. Henkel soll ihnen zusichern, dass diese Forderung erfüllt wird. Erst dann würden sie das Dach verlassen. Dass sich der Innensenator bis zum frühen Nachmittag noch nicht zu der Situation in der Schule geäußert hat, bezeichnet Berenice Böhlo, eine Anwältin der Flüchtlinge, in einem Telefonat mit der Berliner Zeitung als "skandalös".

Vertreter und Sympathisanten der Besetzer hatten für zehn Uhr zu einem Pressegespräch in das Schulgebäude eingeladen. Die Polizei war darüber allerdings nicht informiert und verweigerte Journalisten den Zugang zu dem Gebäude. Die weiß-roten Absperrgitter dürfen nur Anlieger passieren, die zwingend an der Schule vorbei müssen - auch bereits ausgezogenen Flüchtlingen mit einem Bewohnerschein, die ihre Sachen holen wollen, ist der Zugang versperrt. Dass Pressevertreter nicht auf das Gelände dürfen, sei ein "eklatanter Verstoß gegen die Pressefreiheit", sagt Anwältig Böhlo.

Im Umfeld der Schule nahm am Mittwoch das alltägliche Leben seinen Lauf: Eltern brachten ihre Kinder in den Kindergarten, Menschen mit Einkaufstüten schoben sich vorbei. Rund 20 Demonstranten protestierten gegen elf Uhr an der Ecke Ohlauer Straße/Wiener Straße, an der Kreuzung zur Reichenberger Straße hatten sich etwa 70 Protestler versammelt.

Vor der Gerhart-Hauptmann-Schule berichtete Bezirkssprecher Sascha Langenbach am Morgen, dass das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg aktuell mit Anwälten der verbliebenen Besetzer darüber verhandle, wie weiter verfahren werden kann. Menschenrechtsanwälte und Abgeordnete wären bei den Menschen im Gebäude, unter ihnen auch Baustadtrat Hans Panhoff und Grünen-Politikerin Canan Bayran.

Der Bezirk wolle herausfinden, ob sich bei den Forderungen der Flüchtlinge Änderungen ergeben hätten, so Langenbach. Am frühen Nachmittag verlautete aus der Schule jedoch, die Gespräche zwischen Flüchtlingen und Behörden seien abgebrochen. Zu einem Bleiberecht sagte Langenbach nur: "Es gibt Dinge, die können wir als Bezirk nicht beeinflussen. Das übersteigt die Kompetenz eines Bezirks."

In einem Telefoninterview mit der Berliner Zeitung bekräftigt Alnour (28) aus dem Sudan die Forderung nach einem Bleiberecht jedoch noch einmal. Er ist einer der Besetzer der Schule. "Wir sind vor zwei Jahren nach Berlin gezogen, weil wir uns gegen die Unterbringung in Lagern wehren wollten. Wie können wir jetzt in ein Lager zurückgehen?!" Die Flüchtlinge trauen den Angeboten der Politiker nicht. Zu viele Versprechungen gegenüber den Oranienplatz-Flüchtlingen seien gebrochen worden, sagt Alnour. Einige von ihnen sollen kurz vor der Abschiebung stehen.

"Die Flüchtlinge sind entschlossen, hier zu bleiben. Koste es, was es wolle", sagt auch Grünen-Politikerin Canan Bayram am Telefon. Das Gebäude der Gerhart-Hauptmann-Schule sei voller Vorräte. "Rein von den Umständen ist es möglich, längere Verhandlungen einzugehen", so Bayram.

Wie es nun in der Schule weitergeht, weiß niemand. Der Bezirk wolle keine gewaltsame Räumung des Gebäudes, sondern eine einvernehmliche Lösung mit den dort Verbliebenen. Ein Ultimatum solle es nicht geben, unterstrichen Sozialsenator Mario Czaja (CDU) und die Kreuzberger Bezirksbürgermeisterin, Monika Herrmann (Grüne), in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Beide bezeichneten den Umzug von 190 von 211 per Hausausweis registrierten Flüchtlingen aus der Schule als großen Erfolg. Dennoch sei die Situation in der Schule sehr angespannt und gefährlich. Einige Bewohner drohten mit Selbstmord oder dem Anzünden der Schule, sagte Herrmann. „Das erfordert kühlen Kopf und großes Augenmaß in den Gesprächen.“