Besetztes Institut für Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität: Präsidentin Sabine Kunst schreibt offenen Brief an Holm-Unterstützer

Berlin - Die Präsidentin der Humboldt-Universität, Sabine Kunst, wendet sich in einem offenen Brief an die Studenten, die seit dem 18. Januar das sozialwissenschaftliche Institut besetzt halten. Sie protestieren gegen die Entlassung des Soziologen Andrej Holm, dem die Universität wegen umstrittener Angaben zu seiner Stasi-Vergangenheit in seinen Anstellungsbogen zum 30. Juni gekündigt hat.

Holm-Kündigung gilt weiterhin

In dem am Dienstag veröffentlichten Schreiben der HU-Präsidentin Kunst heißt es, die Entscheidung, eine ordentliche Kündigung des Soziologen Holm anzustreben, gelte weiterhin. Zwar würden Präsidium, die Fakultäts- und Institutsleitung „diese rechtswidrige Besetzung als eine Form des Protestes“ dulden, nun aber müssten immer mehr Lehrveranstaltungen ausfallen und die Belastung für Unbeteiligte werde zu groß.

Die Präsidentin betont, die beabsichtigte Kündigung von Andrej Holm habe mit arbeitsrechtlichen Fragen zu tun und „in keiner Weise damit, dass die HU kritische Lehre und Wissenschaft verhindern will.“ Sie selbst befürworte ausdrücklich die kritische Stadtforschung an der HU und wolle das bei der Neubesetzung und Vergabe von Lehraufträgen berücksichtigen. Für das Sommersemester sollen nun einmalig bis zu fünf zusätzliche Projekttutorien mit einem kritisch-stadtsoziologischen Schwerpunkt angeboten werden.

Die Holm-Affäre

Andrej Holm war von den Linken als neuer Berliner Bau-Staatssekretär ernannt worden, musste aber in Folge der Stasi-Affäre von dem Posten zurücktreten. Die HU hatte ihm danach vorgeworfen, 2005 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Personalfragebogen falsche Angaben gemacht zu haben, als er verneinte, hauptamtlicher Mitarbeiter der Stasi gewesen zu sein. Die Hochschule sah sich arglistig getäuscht und kündigte das Arbeitsverhältnis. Holm bestreitet, bewusst falsche Angaben gemacht zu haben. (BLZ)