Diese Nachricht ist ein kleiner Schock – und ihre Tragweite für Berlin noch gar nicht abzusehen: Das Musicaltheater am Potsdamer Platz stellt Ende August seinen Spielbetrieb ein. Das aktuelle Stück, die Udo-Lindenberg-Liebe-überwindet-Mauer-Schmonzette „Hinterm Horizont“, wird bis dahin weiterlaufen. Wie es danach mit dem Haus im Zentrum Berlins weitergeht, ist noch offen.

„Ja, es stimmt. Am Dienstag ist den Mitarbeitern des Musicaltheaters mitgeteilt worden, dass das Haus im Sommer schließen wird“, bestätigte Stephan Jaekel, Unternehmenssprecher Stage Entertainment, in der Deutschland-Zentrale in Hamburg am Mittwoch. Alle 150 Mitarbeiter werden freigestellt: Für die rund 50 Kollegen, deren Verträge an „Hinterm Horizont“ gebunden waren, gehe die Mitarbeit zu Ende; für die rund 100 Festangestellten werde in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat nach individuellen Lösungen gesucht.

In Händen von Investoren

Nach Worten von Jaekel hätten die Mitarbeiter eine solche Ankündigung zum Jahresanfang sicher nicht erwartet, „aber wir sind nicht überrascht, dass es überhaupt einen rigiden Eingriff“ gibt. Im vergangenen September hatte der niederländische Stage-Gründer Joop van den Ende 60 Prozent seiner Anteile an die CVC Capital Partners aus Luxemburg verkauft, einen der zehn größten Finanzinvestoren weltweit. In Deutschland ist CVC unter anderem an Unternehmen der Technik- und Baubranche, aber etwa auch an der Parfümerie Douglas beteiligt. Nach Blick auf die Zahlen aller Stage-Häuser kam jetzt aus Luxemburg das Aus für Berlin – als einzigem von elf Musicaltheatern des Unternehmens in Deutschland. Zuletzt hatte die Stage 2009 ein Theater in Essen wegen schlechter Auslastung geschlossen. Im 40 Kilometer entfernten Oberhausen gehen die Geschäfte dagegen bis heute ausgezeichnet, so Sprecher Jaekel.

Über Zahlen und Bilanzen von „Hinterm Horizont“ schweigt der Unternehmenssprecher. Nur so viel: „Seit ein paar Wochen und Monaten merkt man, dass das Stück an das Ende seines Zyklus’ gekommen ist und im Sommer zu Recht ausläuft.“ Das klingt nach tiefroten Zahlen. Hinzu kommt, dass es nach Jaekels Angaben für die Zeit danach keinen Ersatz gibt. „Wir haben nichts in der Hinterhand, mit dem wir ab Herbst das Haus mit 1 800 Sitzplätzen bespielen könnten“, sagt er. Jetzt eine teure Produktion einzukaufen, die allenfalls eine Bilanz von plus minus Null verspreche, kam für CVC offenbar nicht in Frage.

Bessere Bilanzen verzeichnen offensichtlich die anderen beiden Stage-Häuser in Berlin: das BlueMax Theater gleich gegenüber (620 Zuschauer) und das traditionsreiche Theater des Westens an der Kantstraße mit 1 550 Plätzen. Stage beziehungsweise CVC will beide Bühnen weiter bespielen.

Untermieter gesucht

Bleibt die Frage, wie es ab Spätsommer am Marlene-Dietrich-Platz weitergeht. Erst vor kurzem wurde der Mietvertrag mit dem neuen Eigentümer der meisten Häuser im Quartier, der Brookfield Property Partners (ebenfalls ein Finanzinvestor), verlängert. Er läuft jetzt bis zum 31. Dezember 2022 – also mehr als sechs Jahre über das Ende von „Hinterm Horizont“ hinaus. Über die Höhe der Mietzahlungen wurde nichts bekannt. Der Vertrag solle eingehalten werden, sagt Jaekel. Jetzt suche man dringend nach Untermietern, die das Haus temporär bespielen und wenigstens ein paar Einnahmen generieren könnten.

Die Berliner Filmfestspiele, die das Haus seit 2000 jedes Jahr im Februar als Hauptspielstätte für die Berlinale nutzen, wollen auf jeden Fall bleiben. Man gehe davon aus, dass der Vertrag erfüllt werde und die Premieren des Wettbewerbs auch in den kommenden Jahren im Berlinale Palast stattfinden werden, hieß es.