Besondere Aussicht in Tempelhof: Flughafendach am Sonnabend für Besucher geöffnet

Sie soll über historische Ereignisse informieren und einen atemberaubenden Ausblick bieten: die geplante Geschichtsgalerie auf dem Dach des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Nachdem im Architekturwettbewerb zur Gestaltung der Dachgalerie im Frühjahr zunächst zwei Entwürfe in die engere Wahl gekommen waren, steht nun fest, wer das Projekt realisieren soll: Das Berliner Architekturbüro Staab. Das teilte am Mittwoch die Sprecherin der Tempelhof Projekt GmbH Irina Dähne auf Anfrage mit.

Wie die Aussichten vom Dach des stillgelegten Airports sein werden, können die Berliner an diesem Sonnabend von 12 bis 21 Uhr bei einem Tag der offenen Tür erleben. Dann werden neben Informationen zur Zukunft der riesigen Immobilie auch Führungen auf die Terrasse und durch das Gebäude geboten.

Der Zweitplatzierte

Nach dem Entwurf des Architekturbüros Staab soll der vorhandene Laubengang auf dem 1,2 Kilometer langen Dach des Airports so gestaltet werden, dass an verschiedenen Stellen auf Mobilfunkgeräten und Laptops über historische Ereignisse informiert wird. Den Besuchern sollen dabei auch markante Geräusche präsentiert werden. So soll beispielsweise zur Luftbrücke der Start- und Landeanflug eines Rosinenbombers zu hören sein. Vorgesehen ist außerdem eine etwa 1200 Quadratmeter große Terrasse, die in der Mitte des Gebäudes entstehen soll.

Der zweitplatzierte Entwurf des spanischen Architekten Guillermo Vásquez Consuegra sah ebenfalls eine Terrasse vor, doch sollte diese nicht in der Mitte der Dachlandschaft, sondern weiter westlich Richtung Tempelhofer Damm entstehen. Die Informationen zur Geschichte des Ortes wollte der Spanier auf einem langen Metallband am Boden der Dachgalerie präsentieren.

Neues Alliiertenmuseum

„Im Juni wurde ein Verhandlungsverfahren gestartet , in dem die beiden Sieger ihre Entwürfe inhaltlich und kostenseitig überarbeitet und optimiert haben“, sagte Irina Dähne. Danach sei der Entwurf von Staab Architekten ausgewählt worden. Nun würden die Vertragsverhandlungen geführt. Im Herbst solle das Architekturbüro mit der Planung beginnen. 17,6 Millionen Euro stehen für den Bau der Dachgalerie zur Verfügung. „Ab Mitte 2019 werden die Bauarbeiten starten“, sagte Dähne. Der erste Bauabschnitt solle Anfang 2022 fertiggestellt sein.

Neben der Galerie sollen 4 der 13 Treppentürme des Flughafengebäudes für Ausstellungen genutzt werden. Geplant ist, dass die Arbeiten am sogenannten Kopfbau West, dem Teil des Flughafens am Tempelhofer Damm, beginnen. Dort soll der frühere Tower für Besucher zugänglich gemacht werden. Fest steht überdies, dass das Alliiertenmuseum aus Dahlem in den Hangar 7 am westlichen Ende einzieht. Die Bauarbeiten sollen laut Dähne voraussichtlich in den Jahren 2020/21 starten. Das Alliiertenmuseum will seine Großobjekte in den Mittelpunkt einer neuen Dauerausstellung rücken. Dazu gehören ein britisches Transportflugzeug der Luftbrücke, die ehemalige Kontrollbaracke vom Grenzübergang Checkpoint Carlie, ein Helikopter der US-Army, Panzer und Überreste eines Spionagetunnels.

Ein Gebäude für die Partizipation

Die weitere Nutzung des Airports wird noch diskutiert. In Hangar 5 und 6 ist eine museale oder eine andere kulturelle Nutzung denkbar. Die Hangars 1 bis 4 könnten für temporäre Nutzungen freigehalten werden. Voraussichtlich bis Ende 2019 soll der Flughafen noch als Ankunftszentrum für Flüchtlinge dienen. Die Koalition von SPD, Linken und Grünen hat, wie berichtet, 130 Millionen für die Sanierung des Airports zugesagt. Das war aus Sicht der Beteiligten wichtig, benötigt würden aber 300 bis 500 Millionen Euro.

Wenn es nach den Bürgern geht, sollte der Flughafen künftig weitgehend öffentlich zugänglich gemacht werden – und es sollte an seine wechselvolle Geschichte erinnert werden. Das geht aus einer Ideensammlung hervor, an der sich alle Interessierten vom 18. November 2017 bis 8. Januar 2018 beteiligen konnten. Die Bürgerbeteiligung ist ausdrücklich erwünscht. Für die Partizipation stellt die Tempelhof Projekt GmbH sogar ein eigenes Gebäude zur Verfügung: Das Torhäuschen am Columbiadamm. Am Donnerstag werden die Schlüssel übergeben.

Informationen zum Programm am Tag der offenen Tür in Tempelhof gibt es im Internet unter www.thf-berlin.de/sommerfest