2019 besuchten rund 460.000 Menschen das ehemalige Stasi-Gefängnis an der Genslerstraße. Das sind etwa 25.000 weniger als im Jahr zuvor. 
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HohenschönhausenEine Kündigung des Gründungsdirektors, ein noch immer nicht abgeschlossenes Arbeitsgerichtsverfahren gegen dessen langjährigen Vize, eine große Baustelle im Haus: Die Gedenkstätte Hohenschönhausen hat schwierige anderthalb Jahre hinter sich – und noch ein weiteres schwieriges Jahr vor sich.

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In dieser Zeit der Umbrüche kommt dem neuen Vorstand eine Zahl sicher nicht unrecht: 2019 besuchten rund 460.000 Menschen das ehemalige Stasi-Gefängnis an der Genslerstraße. Das sind etwa 25.000 weniger als im Jahr zuvor. Dennoch spricht die Leitung der Gedenkstätte von „stabilen“ Besucherzahlen.

Museum spricht dennoch von „stabilen“ Besucherzahlen

Als Grund für den Besucherrückgang wird die Baustelle in und um das ehemalige Gefängnis angeführt. Seit vergangenem Sommer und voraussichtlich noch bis Ende diesen Jahres werden die bisher unsanierten Flächen im ehemaligen Gefängnisbau, im Zellen- und Vernehmertrakt des Neubaus, im Haftkrankenhaus, in den Freigangzellen und im Werkstatthof denkmalgerecht saniert. Außerdem werden zusätzliche Seminarräume geschaffen und der museale Rundgang erweitert.

Auch der Zellentrakt wird saniert – so behutsam wie möglich.
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Während der Bauarbeiten für 8,75 Millionen Euro „ist nur ein eingeschränkter Führungsbetrieb möglich“, wie es von der Gedenkstättenleitung heißt. Das bedeutet, man musste und muss noch Besuchergruppen abweisen. Klar also, dass die Besucherzahl zuletzt zurückging.

Dass man in Hohenschönhausen nun trotz des rund fünfprozentigen Rückgangs das Wörtchen „stabil“ verwendet, ist sicher eine politische Aussage. Und sie passt in die Strategie des neuen Gedenkstättenleiters Helge Heidemeyer. Der 57-jährige Historiker wurde im Sommer vorigen Jahres zum Leiter der Gedenkstättenstiftung berufen – als Nachfolger des streitbaren Gründungsdirektors Hubertus Knabe. Knabe wurde im September 2018 abberufen. Der Stiftungsrat hatte ihm vorgeworfen, nicht energisch genug gegen Sexismus in der Gedenkstätte vorgegangen zu sein. Ein für notwendig erachteter Kulturwechsel sei mit ihm nicht vorstellbar, hieß es.

Während Knabe sich schließlich auf einen außergerichtlichen Vergleich einließ, geht sein langjähriger Vize noch gegen seine   Kündigung gerichtlich vor. Vor anderthalb Monaten befand das Arbeitsgericht seine Abberufung für rechtens. Da noch keine schriftliche Urteilsbegründung vorliegt, steht noch nicht fest, ob das Urteil angefochten  wird.

Der Besucherrückgang ist offensichtlich. Die Gedenkstätte spricht offziell dennoch von „stabilen“ Zahlen. 
Grafik: BLZ/Galanty/Gedenkstätte B.-Hohenschönhausen

Angesichts der gewaltigen Unruhe hat Heidemeyer stets die Hoffnung ausgedrückt, es möge Ruhe in Hohenschönhausen einkehren, die Arbeit solle unter den personellen Querelen nicht leiden. Da lesen sich „stabile“ Besucherzahlen besser als ein fünfprozentiger Rücklauf.

Doch Ruhe wird so bald nicht einkehren. So wird das Abgeordnetenhaus voraussichtlich auf der nächsten Plenarsitzung am 30. Januar die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses beschließen, der die Hintergründe der umstrittenen Entlassung Knabes und insbesondere die Rolle des Kultursenators Klaus Lederer (Linke) dabei beleuchten soll. Die oppositionellen CDU und FDP haben den Ausschuss beantragt.

Eine genaue Anzahl von Sitzungsterminen steht noch nicht fest. Der Lederer/Knabe-Ausschuss dürfte jedoch der kürzeste Untersuchungsausschuss in der jüngeren Geschichte des Abgeordnetenhauses werden. Wie es hieß, gehen die Fraktionen davon aus, dass sie bis September diesen Jahres alle Fragen geklärt haben.