Neun Berliner Kliniken reagieren auf die steigenden Corona-Infektionszahlen. 


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BerlinDie aktuell steigenden Corona-Infektionen in Berlins medizinischen Einrichtungen führen zu neuen Maßnahmen. Die Vivantes-Gesellschaft hat am Montag ein Besuchsverbot für all ihre neun Kliniken in der Stadt verhängt. „Wir beobachten das Infektionsgeschehen seit langer Zeit sehr genau und haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Da die Anzahl der Corona-Patienten in unseren Kliniken wieder ansteigt, halten wir es momentan für eine gebotene Vorsichtsmaßnahme, um unseren Teil dazu beizutragen, eine Eindämmung der Pandemie zu erreichen“, sagte eine Pressesprecherin der Berliner Zeitung. Die getroffenen Regelungen gelten zunächst nur für die Kliniken, nicht für die Pflegeheime der Gesellschaft. Eine Ausnahme gebe es für Schwerstkranke, Sterbende oder Kinder, die keine Erkältungssymptome zeigen. Dennoch müsse bei einem Besuch von Verwandten eine Absprache mit den Ärzten erfolgen.

Dass die Krankenhäuser sich für eine mögliche zweite Welle rüsten, lässt auch die jüngste Entscheidung der Charité erkennen. Die Klinik kündigte an, planbare Operationen in der kommenden Zeit wieder zu verschieben. Als die Corona-Zahlen im Frühjahr täglich anwuchsen, versuchte man mit dieser Maßnahme, die Betten in Krankenhäusern für schwere Verläufe der Erkrankung freizuhalten. Über den Sommer blieben die Infektionszahlen niedrig und die Intensivbetten leer. Nun denken einige Krankenhäuser in Vorbereitung auf die Corona-Situation im Herbst und Winter wieder um.

Verständlich, aber eine Katastrophe

„Die Kliniken haben Hausrecht. Wenn sie einen Besuch ablehnen, weil sie beispielsweise das Hygienekonzept nicht umsetzen können, dann ist ein Besuch auch nicht möglich“, sagt Daniela Golz. Sie ist Patientenfürsprecherin im Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg. Durch die Maßnahme sieht Golz jedoch eine „wesentliche Einschränkung für die Patienten“ und sogar deren Genesungsprozess gefährdet. „Wenn Patienten ihre Angehörigen nicht mehr sehen, kann sich das negativ auf den Heilungsverlauf auswirken. Je öfter ein Patient seine Familie und ein gesundes Netzwerk in seiner direkten Nähe hat, desto schneller wird er in vielen Fällen wieder gesund“, sagt Golz.

„Verständlich“, aber eine „Katastrophe“ nennt Karin Stötzner das Besuchsverbot. Für die Patientenbeauftragte der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung in Berlin geht dadurch der seelische Beistand in Krisensituationen verloren. „Das Pflegepersonal in den Krankenhäusern kann nicht immer alles leisten. Neben der emotionalen Entlastung helfen Angehörige der Patienten ihnen auch oft in Alltagssituationen“, sagt sie. Zusätzlich seien sie wichtige Ansprechpartner für die Mediziner und das Pflegepersonal im Krankenhaus, weil sie über die Versorgung ihrer Verwandten genau Bescheid wüssten. Stötzner hofft in der Besuchsfrage auf eine Lösung: „Ich würde mir wünschen, dass sich Angehörige, die ihre Verwandten besuchen wollen, testen lassen können.“ Ob weitere Berliner Krankenhäuser ein Besuchsverbot planen, ist bislang nicht bekannt.