Berlin - Gut zwei Monate nach dem Volksentscheid gegen eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes wagt der Senat einen überraschenden personellen Neuanfang. Mit Tilmann Heuser, dem Berliner Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), soll einer der bekanntesten Kritiker der bisherigen Senatspläne künftig die Bürgerbeteiligung und die Gestaltung des Feldes an prominenter Stelle begleiten.

Heuser übernimmt als Koordinator eines neuzugründenden Beteiligungsbeirats die Aufgabe, alle relevanten Gruppen bei der Ausgestaltung des Gesetzes einzubeziehen, das beim Volksentscheid am 25. Mai durch die Bürger angenommen wurde. Das Gremium soll aus dem bisherigen, etwa 20-köpfigen Nutzerbeirat für das Feld gebildet werden, aber noch personell erweitert werden.

Heuser sei ein Fachmann mit Detailwissen

„Wir wollen eine Basis schaffen, auf der wir einen breiten und konstruktiven Dialog hinbekommen, darüber wie es weitergeht“, sagte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) in einem Interview mit der Berliner Zeitung. Mit Heuser habe man einen Fachmann, der auch die Details kenne, der viele Debatten begleitet habe und der ein Naturschutzexperte sei, so Müller. An diesem Mittwoch soll die Entscheidung auf einer Pressekonferenz offiziell bekannt gemacht werden.

Der 47-jährige Heuser amtiert seit April 2005 als Berliner Landesgeschäftsführer des BUND, der mit über 480 000 Mitgliedern und Förderern bundesweit einer der größten deutschen Naturschutzverbände ist.

In der Debatte über die künftige Gestaltung des Tempelhofer Feldes hatte der BUND wiederholt die Beteiligung der Bürger durch den Senat als unzureichend kritisiert. Per Eilantrag verhinderte der Verband vor dem Verwaltungsgericht den Bau eines Regenwasserbeckens sowie eines Rundwegs auf dem Feld. Zum Volksentscheid am 25. Mai unterstützte der BUND den Gesetzesvorschlag der Bürgerinitiative 100 Prozent Tempelhofer Feld.

Nachdem sich die Bürgerinitiative durchgesetzt hat, ist eine Randbebauung des Feldes mit Wohnungen, wie sie der Senat plante, nicht mehr möglich. Die Eigenart und Schönheit der Landschaft des Tempelhofer Feldes soll nach dem nun geltenden Gesetz erhalten werden.

Senator Müller nimmt die Kritik ernst

Wichtigste Aufgabe des neuen Beirats unter dem Koordinator Tilmann Heuser ist es, an der Erarbeitung eines Pflege- und Entwicklungsplans für das Tempelhofer Feld mitzuwirken. Der Plan soll darüber Auskunft geben, was auf dem Areal möglich ist und was nicht. „Bis spätestens Mitte nächsten Jahres wollen wir Pläne vorliegen haben“, sagte Senator Müller. Parallel zur Arbeit des Beteiligungsbeirats sollen die Nutzer des Feldes in einem Online-Dialog ihre Wünsche zu Sport- und Freizeitmöglichkeiten auf dem Areal äußern.

Diese Vorschläge sollen ebenfalls in die Planung einfließen. BUND-Mann Heuser bezeichnete die Aufgabe als ein „spannendes Experiment“. Das Amt des BUND-Landesgeschäftsführers will er weiterführen. Mit der Berufung von Heuser signalisiert Stadtentwicklungssenator Müller, dass er die Kritik an der bisherigen Planung für Tempelhof ernst nimmt – und dass er einen Neuanfang will.

Einzelne Veranstaltungen in Tempelhof sollen auch mit dem neuen Gesetz möglich sein, wenn sie nicht über einen längeren Zeitraum den Charakter der Freifläche verändern, die den Berlinern kostenlos zur Verfügung stehen soll, sagte Müller. Veranstaltungen, die über Wochen Teile des Feldes blockieren und möglicherweise auf dem Feld Verkehr erzeugen, seien nach Interpretation seines Hauses nicht zulässig. Darunter falle das Deutsch-Amerikanische Volksfest.