Berlin - Die Vision der drei Religionen vom gebauten Himmel inmitten von Berlin“ – so poetisch formuliert der Trägerverein des geplanten interreligiösen Bet- und Lehrhauses am Petriplatz den Anspruch an das zukünftige Gebäude. Christen, Juden und Muslime sollen hier an der Gertraudenstraße in Mitte unter einem Dach beten, feiern und voneinander lernen.

Die Gewinner des Architekturwettbewerbs für das zukünftige Bethaus kürte am Freitag eine Jury, in der unter anderem Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD), Mitte-Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher saßen. Die Wahl der Jury fiel einstimmig auf den Entwurf des Berliner Architektenbüros Kuehn Malvezzi.

„Wir wollen ein sakrales Gebäude schaffen, das von außen wie ein Geheimnis wirkt“, sagte Architektin Simona Malvezzi bei der Bekanntgabe der Sieger in der Parochialkirche. Ihr Entwurf sieht ein glattes Backsteingebäude vor, das an der Frontseite ohne Fenster auskommt und kantig abgestuft in einen 40 Meter hohen Turm mündet.

Souveränste Arbeit

„Erst innen werden die drei Religionen sichtbar: Unter dem horizontalen Dach wölbt sich eine Moscheekuppel, die christliche Kirche läuft zu einem Spitzdach zu“, erklärt Malvezzis Partner Johannes Kuehn. Die Synagoge ist nach Jerusalem ausgerichtet, die Moschee nach Mekka. In die Gebetshäuser gelangt man über einen Gemeinschaftsraum, der den Kern des Gebäudes darstellt. Hier sollen Anhänger der drei Religionen sich begegnen und austauschen.

Als die „mit Abstand souveränste Arbeit, die eine schwierige städtebauliche Situation gelöst hat“, würdigte der Juryvorsitzende, Architekt Hans Kollhoff, das Konzept von Kuehn Malvezzi. Mit der schwierigen Situation meint er einerseits die Integration der Ausgrabungen auf dem Petriplatz in das Bethaus. Archäologen hatten im Jahr 2007 das 750 Jahre alte Fundament der Petrikirche sowie einen Friedhof entdeckt. Der Gewinnerentwurf sieht vor, die Funde im Keller des Bethauses Besuchern zu zeigen. Andererseits musste neben dem Gebäude Platz gelassen werden für zukünftige Bauten, zum Beispiel auf dem brachliegenden Gelände des alten Cöllnischen Rathauses.

Über das Siegerkonzept freute sich auch Tovia Ben-Chorin, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde: Von dem Gebäude würde eine Symbolik ausgehen, die stärker sei als Prügelattacken und Beschneidungsdebatten. „Das Bethaus bestärkt meinen Glauben an interreligiösen Dialog“, sagte er.

Eine Ausstellung in der Parochialkirche zeigt ab dem 15. September die Ergebnisse des Wettbewerbs.