Berlin - Erst dauern die Arbeiten ein Jahr länger als geplant und dann muss schon kurz nach ihrem Ende nachgebessert werden: An der Warschauer Straße in Friedrichshain, die zwei lange Jahre Baustelle war und erst seit dem 1. September wieder frei befahrbar ist, wurden Mängel festgestellt. Die westliche Straßenseite muss jetzt nachbearbeitet werden, wie Helmut Schulz-Herrmann, der Tiefbauamtsleiter von Friedrichshain-Kreuzberg, mitteilt.

Wasser läuft nicht ab

Der Flüsterasphalt sei von der Baufirma zu dick aufgetragen worden. „Statt wie in der Ausschreibung vereinbart zwei bis drei Zentimeter ist die Schicht vier Zentimeter dick“, so der Amtsleiter. Was auf den ersten Blick nach wenig klingt, hat erhebliche Konsequenzen, einige sind sogar gut sichtbar: Auf der Straße haben sich Spurrinnen gebildet. An einer Stelle überragt die Asphaltdecke den Bordstein des Gehweges, und weil das Gefälle der Straße nicht stimmt, läuft das Wasser nicht ab.

Flüsterasphalt nennt man einen speziellen Straßenbelag, der zu einem Viertel aus Hohlräumen besteht. Wasser und Schall werden so gleichermaßen geschluckt. Durch die Spezialoberfläche werden die Schwingungen der Autoreifen minimiert; die Reduzierung des Lärmpegels bei Flüsterasphalt liegt immerhin bei bis zu zehn Dezibel. Das bedeutet etwa eine Halbierung der wahrgenommenen Lautstärke. Es gibt aber auch Nachteile: Flüsterasphalt ist doppelt so teuer wie herkömmlicher Asphalt.

Nachbesserungen erst im kommenden Jahr

Der Bezirk ist jetzt mit der Baufirma in Verhandlungen. Wie die Nacharbeiten aussehen werden, ob der überstehende Teil einfach abgefräst werden kann oder komplett neu asphaltiert werden muss, stehe noch nicht fest, sagt der Tiefbauamtsleiter. Eines aber schon: In diesem Jahr wird keine neue Baustelle aufgemacht; die Arbeiten werden wohl im Frühjahr 2017 erledigt.

Auch jenseits von Bauschäden sind nicht alle mit der Warschauer Straße zufrieden. Sie gilt als Pilotprojekt für andere Hauptstraßen der Stadt: Für Autos gibt es weniger, für Fahrräder und Wirtschaftsverkehr mehr Platz.

Von den rund 120 Parkplätzen sind nicht mal 20 übrig geblieben, der Raum wurde größtenteils den Radlern zugeschlagen. Sie erhielten auch neue Stellplätze. Und auf der östlichen Seite entstanden Ladezonen für Paketdienste und andere Lieferfahrzeuge. Was in der Theorie gut klingt, muss sich in der Praxis aber noch beweisen. So bemängelt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), die Radspuren seien zu schmal. Zudem würden die Spuren oft zugeparkt.

Der Umbau hat 4,3 Millionen Euro gekostet. Er dauerte ein Jahr länger als geplant, weil man im Untergrund viele Leitungen fand, die niemand dort vermutet hatte.