Berlin - Imbisse und Souvenir-Shops haben am Holocaust-Mahnmal eigentlich nichts zu suchen. Dennoch tauchte jetzt gegenüber der Gedenkstätte ein Café-Stand auf, für den es offenbar keine Genehmigung gab.

Der Imbiss weckt Erinnerungen an die nicht gerade würdevolle touristische Ess- und Trinkmeile, deren Buden noch vor über einem Jahr nahe des Holocaust-Mahnmals standen. Dieses erinnert an die sechs Millionen Juden, die die Nationalsozialisten ermordeten. Als an der Cora-Berliner-Straße die Bauarbeiten für das neue Wohnquartier „Palais an den Ministergärten“ begannen, wurden die Läden abgebaut und schienen für immer verschwunden zu sein.

Das Straßen- und Grünflächenamt hatte keine Kenntnis von dem Café

Doch vergangene Woche sichteten Passanten wieder einen Ausschank an der Cora-Berliner-Straße. Das besagte Café lag mit zwei Sonnenschirmen, Biertischen und Bänken zwischen Baucontainern versteckt. An einer Bauwand wurden Coffee to go, Drinks und Souvenirs zum Verkauf angeboten. Auf Nachfrage der Berliner Zeitung beim Bezirksamt Mitte stellte sich heraus: Das Straßen- und Grünflächenamt hatte keine Kenntnis von dem Café. „Die Nutzung auf den Flächen einer genehmigten Baustelleneinrichtung wurde nicht beantragt, ist auch nicht genehmigungsfähig“, sagt Bezirksamts-Sprecher Christian Zielke.

Die Behörde handelte. Die „ungenehmigte Nutzung öffentlichen Straßenlandes“ ist eine Ordnungswidrigkeit und muss geahndet werden. Der Bezirk forderte den Betreiber auf, sich schriftlich zu dem Café zu äußern. „Außerdem wurde veranlasst, dass das Café geräumt und geschlossen wird“, sagt Zielke.

Betrieb eine Baufirma das Café am Holocaust-Mahnmal?

Der Bezirk richtete die Forderungen offenbar an die Baufirma, die in diesem Bereich nahe des Holocaust-Mahnmals tätig ist. „Denn der Verkauf erfolgte offenbar aus einem Container dieser Firma heraus“, sagt Zielke. „Unter Umständen wäre ein solcher Imbiss sogar genehmigungsfähig, wenn dieser ausschließlich zur Versorgung des dort tätigen Baustellenpersonals vorgesehen wäre.“

Auf Anfrage teilte die Baufirma mit, man wisse nichts von einem Café. Als Reporter dieser Zeitung an diesem Montag am Café vorbeischauten, war dieses geschlossen, Tische und Bänke waren verschwunden. Nur die Schirme standen noch dort.