Etwa 15 bis 20 Prozent der rund 4.000 Inhaftierten sind muslimischen Glaubens. Sie wollen täglich ihre Gebete verrichten und während des Ramadans fasten. Dabei kommt es mitunter zu Konflikten in den Gefängnissen, etwa wenn das Gebet in die Arbeitszeit der Häftlinge fällt. Künftig soll ein „Beirat für die religiöse Betreuung muslimischer Inhaftierter“ ihre Situation verbessern. Seine 14 Mitglieder sollen die Justizverwaltung beraten, wie das im Grundgesetz verbriefte Recht auf Ausübung der Religion für Muslime in Haftanstalten verbessert werden kann.

„Das Thema hat über die Jahre eine zunehmende Bedeutung bekommen, da es mehr Muslime in den Gefängnissen gibt“, sagte am Donnerstag Justizsenator Thomas Heilmann (CDU). Genaue Zahlen über praktizierende Muslime kann er nicht nennen, da Angaben zur Religionsangehörigkeit freiwillig sind. Der Justizsenator hat den Beirat ins Leben gerufen, der am 19. Februar erstmals tagt. Ihm gehören neben der Integrationsbeauftragten des Senats Vertreter muslimischer Organisationen wie der DITIB, des Islamforums oder der AG muslimischer Gefängnisseelsorger e.V. an. Heilmann wollte diesen Verein bereits 2013 allein mit der Arbeit betrauen, die der Beirat nun übernimmt. Doch dann meldeten Verfassungsschutz und Polizei Bedenken an, dass die Arbeitsgemeinschaft von Salafisten unterwandert werden könnte. „Das hätte nicht verhindert werden können“, sagte Heilmann. Daher ist der jetzt gegründete und breiter aufgestellte Beirat an die Justizverwaltung angebunden.

Gegenwärtig sind sechs Imame in den Justizvollzugsanstalten tätig. „In der JVA Tegel kommen von 900 Insassen regelmäßig 30 bis 50 zum Freitagsgebet. Das Angebot wird sehr gut angenommen“, berichtete Michael Beye, der Vorsitzende des Anstaltsbeirats. Es gebe zudem einen großen Bedarf an Vor- und Nachgesprächen. „Der Beirat soll uns behilflich sein, das bisherige Angebot kontinuierlich auszubauen und in eine strukturierte Form zu bringen“, sagte Heilmann.

Ein Thema sei zum Beispiel die Frage, wie die Gläubigen hohe muslimische Feiertage im straff geregelten Anstaltsalltag begehen könnten. In der Religionsausübung sieht der Justizsenator auch eine Chance, dass die Gefangenen in ein straffreies Leben zurückkehren. Der Beirat soll der Verwaltung darüber hinaus Geistliche vorschlagen, die für die Gefängnisarbeit geeignet sind.

Bislang werden nur männliche Muslime betreut. Bei den weiblichen Gefangenen sei die Nachfrage nicht vorhanden, sagte Heilmann. Was nicht verwundert, schließlich sitzen lediglich 180 Frauen in Berlin im Gefängnis.