Innerhalb kurzer Zeit wurde sehr viel Geld an Firmen verteilt.
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BerlinDass der Mensch hilfreich und gut ist, gehört seit jeher zu den großen Hoffnungen der Menschheit. Doch die Gefängnisse sind weiterhin gut gefüllt, es gibt immer und überall Betrüger und Diebe. Oft heißt es: Der wahre Charakter zeige sich vor allem in Notzeiten.

Das gilt auch für die Corona-Krise. Nun wird bekannt, dass Betrüger offenbar auch reichlich Corona-Soforthilfen ergaunert haben – sogar für Firmen, die gar nicht mehr existieren. In Berlin wird nun auch gegen Clan-Familien ermittelt.

Ein solcher Missbrauch ist natürlich verwerflich. Denn derzeit sehen doch alle, dass diese Krise eine ist, die wirklich fast alle betrifft und viele in Bedrängnis bringt oder gar in existenzielle Not stürzt. Da kann sich dann niemand herausreden, dass er als „kleines Licht“ nur mal ein wenig „die da oben“ abzocken will.

Ein solcher Betrug ist andererseits auch ein Spiegelbild dieser Gesellschaft und dieser Zeit. Einer Zeit, in der es nicht so sehr um den Gedanken der Solidarität geht, sondern ganz turbokapitalistisch um ein ständiges Höher-Schneller-Weiter. Zeiten, in denen der Amazon-Gründer Jeff Bezos von einigen dafür gefeiert wird, dass er sein Vermögen als Corona-Gewinner allein seit Jahresbeginn um 24 Milliarden Dollar steigern konnte.

Natürlich wäre jetzt eine große oder auch nur kleine Kapitalismus-Pause sehr schön, wie an dieser Stelle vor sechs Wochen angedacht: zum Beispiel ohne Mietzahlungen für unverschuldet verarmende Mieter und ohne Kreditlasten für angeschlagene Wohnungsbesitzer.

Aber über so etwas wird natürlich nicht nachgedacht. Da bleibt nur der Trost, dass die Kriminellen in der Minderheit sind und dass die Mehrheit bei der Corona-Hilfe nicht betrügt, sondern hilfreich ist und Gutes tut. Hoffentlich jedenfalls.