Betrug im Jobcenter: 280.000 Euro erschwindelt

Berlin - Eine Sachbearbeiterin des Jobcenters Friedrichshain-Kreuzberg soll insgesamt 280.000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen die 26-Jährige wegen Betrugs und Untreue, sagte Sprecher Martin Steltner.

Schwindel im November aufgeflogen

Die Frau soll ab Februar 2012 Arbeitslose erfunden und sogenannte Leistungsvorgänge mit Zahlungsanweisungen fingiert haben. Die Beträge soll sie auf ihr eigenes Konto überwiesen haben. Der Schwindel flog erst im vergangenen November nach einer internen Prüfung auf. Die Sachbearbeiterin wurde fristlos entlassen, die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Frau kam nach Angaben Steltners in Untersuchungshaft, erhielt jedoch wegen ihrer psychisch angegriffenen Verfassung inzwischen Haftverschonung.

Wie der Betrug konkret ablief und warum er so lange Zeit unentdeckt blieb, wollte der Sprecher der Berliner Jobcenter, Andreas Ebeling, mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht beantworten. Eigentlich herrscht in Jobcentern das Vier-Augen-Prinzip. „Wenn jemand eine Zahlungsanweisung bearbeitet, muss das von einer zweiten Person geprüft werden“, sagte er.

Bislang keine vergleichbaren Fälle

Zudem würden einzelne Zahlungsanweisungen nach dem Zufallsprinzip überprüft. „Irgendwann fliegt jeder auf“, sagte Ebeling. Flächendeckende Kontrollen seien nicht zu leisten. „Dafür bräuchte man eine eigene Behörde.“ Die beschuldigte Frau habe ein hohes Maß an krimineller Energie an den Tag gelegt, sagte Ebeling. Sie sei aber ein Einzelfall. Vergleichbare Fälle habe es bislang nicht gegeben. „Aber es ist nicht gänzlich auszuschließen, dass so etwas vorkommt.“ Das Jobcenter hat nun Ansprüche auf das veruntreute Geld angemeldet. Ob die 280.000 Euro bei der Beschuldigten sichergestellt werden konnten, ist jedoch unklar.

Das Jobcenter an der Rudi-Dutschke-Straße zählt zu den größten Deutschlands: 700 Mitarbeiter betreuen knapp 32.000 Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften, das sind insgesamt 56.000 Personen im Bezirk, die auf staatliche Leistungen angewiesen sind.