Monatelang waren sie in Berlins Mitte nicht zu sehen. Es war ihnen zu kalt. Jetzt ist es wärmer. Nun sind sie wieder da. In diesen Tagen begann ihre Sommersaison in der Straße Unter den Linden, vor dem Bundeskanzleramt, auf der Liebknechtbrücke und am Deutschen Historischen Museum. Und die Polizei warnt vor ihnen.

Sie lieben Touristen und leben von ihnen. Berlin hat seine Hütchenspieler zurück. Bis zum Spätherbst werden sie bleiben.  Bis dahin werden  sie auf  Gehwegen und Plätzen in der Innenstadt Touristen betrügen, egal, woher sie angereist sind. Auch Deutsche fallen in ihrer Gier nach Geld immer wieder herein. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gibt es  dieses Spiel auf der Straße. Erfunden worden ist es in London, sagen Experten.

Es sind immer dieselben Männer aus Südeuropa, die den Sommer in Berlin verbringen. Das hat Vorteile. Sie wissen genau, wohin sie rennen müssen, wenn Gefahr droht. Sie kennen viele Polizisten vom Sehen her. Aber auch die Spieler sind bei Streifen bekannt. Sehen und gesehen werden.

750 Euro verloren

Neulich saß ich am Vormittag vor einem Café in der Nähe des Brandenburger Tors. Dort hatten seriös gekleidete Spieler ein Tuch platziert und die Schachteln sowie die Kugel bereitgelegt. Die Aufpasser waren in Position, und die Animateure warteten auf  Kunden. Die kamen dann auch. Einige spielten und gewannen zunächst. Schließlich waren sie ihren 50-Euro-Schein los.

Gegen Mittag betrat ein Tourist aus Sachsen das Terrain. Innerhalb von einer halben Stunde verlor er 500 Euro. Er war  in Spiellaune. Er investierte noch einmal 250 Euro.  Auch die verschwanden in den Taschen der Betrüger. Kurz darauf erschien seine Frau. Man sah es, beide trugen den gleichen Ring. Sie hatte ein Paket aus einem naheliegenden   Porzellangeschäft  bei sich. Das Paar setzte sich in das Café. Sie packte  aus und schwärmte von der Figur  aus weißem Porzellan, am Boden die zwei blauen Schwerter.  Sie war  stolz  auf ein Schnäppchen. Er verdrehte die Augen. Von seinem verspielten Geld erzählte er nichts.