Etliche Kunden der Deutschen Bahn wurden Opfer von Betrügern. Inzwischen hat die Bahn nach eigenen Angaben ihre Sicherheitslücke geschlossen. Bahnkunden, denen zum Teil hohe Beträge abgebucht wurden, werden jedoch von der Bahn und auch der Polizei nur zögerlich oder gar nicht informiert.

Wie die Berliner Zeitung in der vergangenen Woche berichtete, nutzten Kriminelle eine Neuregelung aus, aufgrund der stornierte Tickets nicht mehr ausbezahlt werden. Seit August erhält, wer die Reise nicht antreten möchte, nur noch einen Gutschein, der auf Dritte übertragbar ist. 

Vor einiger Zeit hatten Hacker bei Providern Zugangsdaten von E-Mail-Adressen erbeutet. Damit kaperten sie Online-Accounts von Bahnkunden und buchten teure Tickets. Anschließend stornierten sie – und ließen sich Gutscheine schicken.

Mit dem siebenstelligen Code auf den Gutscheinen kauften die Täter zum Beispiel eine S-Bahn-Fahrkarte. Für das verbliebene Guthaben erhielten sie einen Restwert-Gutschein mit neuem Code. Das Gleiche taten sie ein weiteres Mal. So konnte der Weg des Geldes nicht mehr nachvollzogen werden. Diese nicht personengebundenen Gutscheine verkauften sie im Internet. 

Keine Hilfe für besorgte Kunden

Die Bahn begrenzte inzwischen den Höchstbetrag für Abbuchungen per Bankeinzug auf 150 Euro. Nachdem diese Zeitung über die neue Betrugsmasche berichtete, soll die Bahn eine Arbeitsgruppe gebildet haben, die die Fälle aufarbeitet. „Es gelang uns, den Betrug einzudämmen“, sagt ein Bahnsprecher lediglich. Über Schadenshöhe und Anzahl der bekannt gewordenen Fälle macht er keine Angaben. Laut Bahn-Insidern sollen die Betrüger Millionenbeträge erbeutet haben. Bei der Polizei mehren sich Strafanzeigen, die aber bislang folgenlos blieben.

Eine davon hatte eine 20-jährige Studentin am 26. Oktober über die Internetwache der Berliner Polizei aufgegeben. Am Vortag hatte ihr die Bahn 11.213,90 Euro abgebucht. Den Betrug bemerkte die junge Frau, die in Halle studiert, als sie in Berlin ihre Eltern besuchte.

Der Fall der 20-Jährigen zeigt exemplarisch, wie Bahn und Polizei mit geprellten und besorgten Kunden umgehen – nämlich gar nicht. Nachdem die Studentin die Abbuchung am 25. Oktober auf ihrem Konto sah, holte sie die Lastschrift zurück. Noch am Abend schrieb sie mehrere Mails an die Bahn. Seither war sie in Angst, die Bahn würde auf ihrer Forderung bestehen. An der Bahn-Hotline bekam sie lediglich einen Mitarbeiter, der für Kinderreisen zuständig war und ihr empfahl, eine Mail zu schreiben.

Eine lange Leitung hat auch die Polizei

„Das war ein Fehler des Kollegen“, wie der Bahnsprecher einräumt. „Die Mitarbeiter sind verstärkt sensibilisiert, schnellstmöglich betroffenen Kunden zu antworten“, versichert er. Es dauerte sechs Tage, bis die Frau überhaupt eine Reaktion erhielt: eine automatisch generierte Eingangsbestätigung. Dann passierte lange nichts. Am vergangenen Dienstag – nach 18 Tagen – antwortete das „Serviceteam Forderungsmanagement“. Es bedauerte die entstandenen Unannehmlichkeiten. Bis zum Abschluss der konzerninternen Ermittlungen werde man „keine weiteren Buchungen per Lastschrift über Ihr Kundenkonto mehr zulassen“.

Eine lange Leitung hat auch die Polizei: In ihre Strafanzeige vom 26. Oktober schrieb die Kundin ihre Mailadresse und ihre Handynummer. Eine Nachfrage dieser Zeitung bei der für Delikte bei der Bahn zuständigen Bundespolizei ergab Folgendes: Von der Berliner Polizei sei die Strafanzeige an die Berliner Staatsanwaltschaft „abverfügt“ worden. Denn es gelte das Wohnortprinzip der Erst-Geschädigten, die in Halle wohnt. Die Berliner Staatsanwaltschaft wird die Anzeige an die Staatsanwaltschaft Halle weiterleiten. Weil aber die Kundin ihr Geld bei der Bank inzwischen zurückgeholt hat, gilt die Bahn als Zweit-Geschädigte. Deshalb wird einem Polizeisprecher zufolge irgendwann der Vorgang von Halle wieder nach Berlin abgegeben – weil dort die Deutsche Bahn ihren Sitz hat.

Gemeldet hat sich bei der Frau bis heute kein Polizist.