Die Problemeliste der Deutschen Bahn ist lang. Verspätungen, Zugausfälle, Technikstörungen, Gewinnrückgang - und nun also Betrug. Die Deutsche Bahn ist Opfer einer groß angelegten Betrugsmasche geworden. Die Leidtragenden sind neben der Bahn vor allem die Bahnkunden selbst. So etwa eine 20-Jährige Studentin aus Berlin, der 11.213,90 Euro vom Konto abgebucht wurden.

Doch was hat es mit der Betrugsmasche auf sich? Wie kann man sich schützen? Und vor allem, was können Opfer der Betrugsmasche tun? Wir haben die wichtigsten Informationen rund um die Storno-Betrugsmasche für Sie zusammengetragen und verraten, wie Sie sich am besten vor Computerbetrug schützen.

Was steckt hinter der neuen Betrugs-Masche?

Einfallstor für die Betrüger ist ausgerechtet eine neue Regelung der Bahn selbst: Seit dem 1. August fallen bei der Stornierung von Tickets zehn Euro für Bearbeitungsgebühren an, der Restbetrag wird dem Kunden als Stornogutschein ausgegeben.

Diese Regelung haben sich die Betrüger zu nutzen gemacht. Mit gestohlenen E-Mail-Daten haben sie sich für bestehende Bahn-Konten neue Passwörter zukommen lassen und anschließend die angegebene Mailadresse geändert. Die Täter bestellten sich Sparpreis-Tickets, stornierten diese sofort und ließen sich die Gutscheine dafür an ihre eigene Mailadresse schicken. Gebucht werden die Beträge indes auf die im Bahn-Account gespeicherten Kontodaten des nichts ahnenden Kunden.

Woher haben die Betrüger die Daten?

Nach Angaben eines Ermittlers griffen Hacker vor einer Weile Zugangsdaten von E-Mail-Accounts zweier großer Provider ab. Betrüger probierten diese dann beispielsweise im Login von www.bahn.de aus. Die Konten bei bahn.de oder DB-Navigator-App selbst wurden jedoch nicht gehackt.

Wie hat die Bahn reagiert?

Als Reaktion auf den Betrug senkte die Bahn nach Angaben eines Sprechers am 29. Oktober die Summe, die per Lastschrift abgebucht werden kann – „als vorsorgliche Maßnahme“, wie der Bahnsprecher betont.

Sparpreistickets mit einem Wert von mehr als 150 Euro können im Internet bis auf weiteres nur mit Sofortüberweisung und Kreditkarte unter Abfrage des 3D-Secure-Passwortes bezahlt werden.

Was kann man tun, um sich zu schützen?

Laut Kriminalstatistik gab es im vergangenen Jahr etwas mehr als 13.000 Fälle von Computerbetrug. Die Aufklärungsquote ist mit 16 Prozent relativ gering. Umso wichtiger ist es daher, sich zu schützen.

Der erste Schritt, den viele unterschätzen, ist ein sicheres E-Mail-Passwort. Ein gutes Passwort sollte mindestens acht Zeichen lang sein, Sonderzeichen, Ziffern sowie Groß- und Kleinbuchstaben enthalten. Außerdem ist es wichtig, sein Passwort regelmäßig zu ändern - IT-Experten empfehlen hier einen Abstand von drei bis sechs Monaten. Für verschiedene Portale und Plattformen sollte man außerdem nie das gleiche Passwort verwenden.

Ich bin Opfer geworden, was jetzt?

Bahnkunden, die Opfer der Betrugsmasche geworden sind, empfiehlt die Deutsche Bahn, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Stellen Kunden unberechtigte hohe Abbuchungen für Fahrkarten von ihrem Konto fest, dann sollten sie die Lastschrift durch ihre Bank widerrufen lassen und sich umgehend mit uns in Verbindung setzen“, empfiehlt der Bahnsprecher. „Wir wollen natürlich nicht, dass den Kunden durch diese betrügerischen Aktivitäten irgendein Schaden entsteht.“

Besteht keine grobe Fahrlässigkeit von Seiten der Kunden, haben sie in der Regel also nichts zu befürchten. (BLZ)