Berlin - Berliner Hotels leiden unter einer massiven Bettwanzen-Plage. Die Tiere  Ungeziefer bevölkern die Unterkünfte der Stadt in so großer Zahl, dass nun sogar Kammerjäger eine Meldepflicht fordern.

Am Ende des Interviews mit Schädlingsbekämpfer Adam Tesmer kommt die alles entscheidende Frage: „Gibt es in Berlin noch Hotels, in denen man guten Gewissens übernachten kann?“ Tesmer überlegt nur kurz. „Nein, eigentlich nicht.“ Stadtweit sind Bettwanzen derzeit ein riesiges Problem – eine Plage, die immer größer wird.

Kammerjäger-Einsatz im Fünf-Sterne-Hotel

„So viele Aufträge wie in diesem Jahr hatten wir noch nie“, sagt Tesmer der Berliner Zeitung. „Als Kammerjäger ist man in Berlin derzeit fast ausschließlich mit Bettwanzen beschäftigt.“ Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Einsätze in seiner Firma „GTS Schädlingsbekämpfung“ um 20 Prozent gestiegen. „Die Aufträge kommen vor allem aus der Hotelbranche. Wir mussten erst neulich zu einem Fünf-Sterne Hotel. Dort war ein Zimmer so stark befallen, dass wir die komplette Einrichtung über Nacht in Tüten packen und entsorgen mussten.“ 

Ähnlich ist es bei seinem Kollegen Daniel Krämer von „MIB ABS Schädlingsbekämpfung“. „Im vergangenen Jahr hatten wir rund 750 Einsätze, hochgerechnet mussten wir 3500 Räume behandeln“, sagt er. „Und es wird von Jahr zu Jahr mehr. Das liegt zum einen daran, dass sich die Schädlinge durch das einfache Reisen sehr leicht verbreiten, zum anderen entwickeln sie Toleranzen gegenüber den Chemikalien, die zur Bekämpfung eingesetzt werden. Man muss die Methoden immer wieder weiterentwickeln.“

Bettwanzen-Weibchen legt sein Leben lang Eier

Die Tabuisierung des Problems kommt erschwerend hinzu. Tesmer: „Das Hotelpersonal muss in der Ausbildung geschult werden, Wanzen zu erkennen. Aber das Problem wird heruntergespielt, niemand will darüber sprechen.“ Hotels würden befallene Zimmer oft nicht einmal schließen. „Die Hoteliers vermieten aus finanziellen Gründen einfach weiter.“ 

Der Kammerjäger wird erst gerufen, wenn es nicht mehr geht. Das Problem bei Bettwanzen: Ein Weibchen muss nur einmal befruchtet werden, um sein Leben lang Eier zu legen. Beim Behandeln eines Zimmers muss also nur ein Weibchen überleben, damit eine neue Wanzen-Generation heranwächst. Zu erkennen sind die Tierchen oft nur an kleinen schwarzen Punkten, die sie beispielsweise auf Lattenrosten hinterlassen – Kottröpfchen, von dem Blut, das sie getrunken haben, schwarz eingefärbt.

Die Schädlingsbekämpfer fordern nun eine Meldepflicht. „Alle sagen immer, dass die Wanzen keine Krankheiten übertragen, aber natürlich können sie das. Sie müssen als Gesundheitsschädlinge ins Infektionsschutzgesetz aufgenommen werden, damit beim Befall eine Meldepflicht besteht“, sagt Krämer. (BLZ)