Es ist eine kolossale Arbeit, die der Bürgermeister Stefan Komoß (SPD) und seine vier Stadträte in Marzahn-Hellersdorf in den vergangenen sechs Monaten geleistet haben. Sie haben Daten ihrer Bevölkerung analysiert, eigene Hochrechnungen angestellt, Flächen berechnet und Grundbücher gewälzt, um für ihren Bezirk ein Zukunftskonzept zu erarbeiten. Es ist das erste Infrastrukturkonzept, das ein Berliner Bezirk vorlegt. Darin enthalten sind Prognosen für neue Kitas und Schulen, für zusätzliche Grünflächen und Freizeitstätten. Das Konzept reicht bis in das Jahr 2030. Und die Ergebnisse sind erstaunlich und bemerkenswert.

Rasanter Bevölkerungsanstieg

So wächst die Bevölkerung in dem Bezirk rasanter als der Senat bisher angenommen hat. Die aktuelle Einwohnerzahl von 256.000 Menschen liegt schon jetzt um etwa 4000 Bewohner über der höchsten Prognose des Senats. Bisher war der Senat nur von einem Zuwachs von 8000 Einwohnern bis zum Jahr 2020 und weiteren 4 000 Menschen bis 2030 ausgegangen. In 15 Jahren werden aber etwa 16.600 Männer, Frauen und Kinder mehr als heute im Bezirk leben, geht aus dem Infrastrukturkonzept vor, das der Berliner Zeitung vorliegt. Die Einwohnerzahl steigt auf mehr als 272.000.

„Das macht uns das Leben schwer. Mit der genauen Analyse können wir nun Schlussfolgerungen für unsere Arbeit ziehen“, sagt Christian Gräff (CDU), der Stadtrat für Stadtentwicklung im Bezirk. Unter anderem wurden Standorte für zusätzliche Wohnungen erfasst. Statt Flächen für nur 3600 neue Wohnungen, wie vor vier Jahren angenommen, könnten 8306 Wohnungen errichtet werden. Darin enthalten sind 2900 Wohnungen, die durch eine Verdichtung bestehender Wohnviertel sowie von Einfamilienhausgebieten etwa in Biesdorf, Mahlsdorf und Kaulsdorf errichtet werden könnten.

19 Kitas fehlen

Doch das bedeutet, dass zugleich der Bedarf an Kitaplätzen, Schulen und Sportstätten steigt. So werden rechnerisch 19 Kitas benötigt, es fehlen sieben Grundschulen sowie drei Oberschulen. Zudem besteht der Bedarf an neun Jugendfreizeiteinrichtungen und 48 Kinderspielplätzen, von denen elf eher kurzfristig errichtet werden müssten. Damit diese Planungen realisiert werden können, hat der Bezirk Flächen und Grundstücke im Visier: „Wir werden für unsere soziale Infrastruktur entsprechende Vorhalteflächen mit Bebauungsplänen sichern“, sagt Gräff.

Am diesem Dienstag stellt der Bezirk sein 120 Seiten umfassendes Konzept vor. Die Bildungsverwaltung hat bereits ihr Interesse bekundet, ebenso die Stadtentwicklungsbehörde. Die wird erst im Herbst eine neue Bevölkerungsprognose präsentieren. Denn Berlin wächst insgesamt. Ging der Senat bisher von 250.000 Neu-Berlinern bis 2030 aus, wird diese Zahl laut Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) wohl schon in vier Jahren erreicht sein.