Berlin - Am Freitag hat das Oberlandesgericht in Karlsruhe (Baden-Württemberg) den Antrag des verurteilten Mörders zurückgewiesen, auf Bewährung entlassen zu werden. Der Verurteilte sei trotz seines fortgeschrittenen Alters noch vital und agil und es seien im Falle einer bedingten Entlassung aus der Strafhaft mit Wahrscheinlichkeit schwere Gewaltdelikte oder „ähnliche schwerwiegende Straftaten“ zu erwarten, heißt es in einer Mitteilung. Zudem habe er sich geweigert, nach seiner Entlassung in eine betreute Wohneinrichtung zu ziehen.

Neumann war 1963 zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil er Anfang 1962 zwei Menschen ermordet hatte. Der Fall hatte so kurz nach dem Bau der Mauer für großes Aufsehen im geteilten Berlin gesorgt. Der damals 25 Jahre alte Neumann hatte in der Nacht zum 14. Januar 1962 in der Baerwaldstraße in West-Berlin ein Auto gekapert, in dem der 18-jährige Klaus Heinrich seine ein Jahr ältere Verlobte Katrin Baumann nach Hause fahren wollte. Der mit einem Perlonstrumpf maskierte Neumann bedrohte das Paar mit einem Revolver, raubte ihm 50 Mark und eine Armbanduhr, und raste mit seinen Geiseln im Auto durch die Stadt.

In der Späthstraße verlor er die Kontrolle über den VW und fuhr gegen einen Baum. Er stieg aus und schoss neun Mal in das Auto. Drei Projektile trafen die Frau, vier ihren Verlobten. Während Katrin Baumann sofort starb, konnte ihr Verlobter vor seinem Tod den Täter noch auf Fotos identifizieren. Ende Januar wurde Hans-Georg Neumann festgenommen. Kurz darauf wurde bekannt, dass er Jahre zuvor nach Kanada ausgewandert war und auch dort ein Pärchen ausgeraubt hatte.

Keine positive Sozialprognose

Bis 1991 saß er im Zuchthaus Tegel und wurde dann in die JVA Bruchsal bei Karlsruhe verlegt. Bei einer lebenslangen Verurteilung kann man nach 15 Jahren einen Antrag auf Entlassung auf Bewährung stellen. Mehrmals hatte Neumann das gemacht. Doch die Anträge wurden immer wieder abgelehnt. Seine Sozialprognose sei nicht positiv, hieß es stets. Richter und Gutachter sahen bis heute eine Gefahr in Neumann, der im Knast wegen seiner Berliner Herkunft "Icke" genannt wird. So kamen schließlich 52 Jahre Haft zusammen.

Neumann stammt aus Tempelhof. Er ist gelernter Feinblechner. In der Haft hatte er eine Steinmetzlehre begonnen.

Oliver Brinkmann, Neumanns Anwalt, sagte am Freitag, das Gericht habe sich mit seiner Entscheidung Zeit gelassen. Sein Mandant sei über fünf Stunden lang angehört worden. „Das Ergebnis war völlig offen, es gibt auch keine vergleichbaren Fälle“, sagte Brinkmann. Er werde nun die Begründung der Entscheidung genau studieren und dann mit seinem Mandanten beraten, wie es weitergehen werde. Einen neuen Antrag auf Entlassung zu stellen, sei erst dann sinnvoll, wenn sich die Grundlagen für die jetzt erfolgte Entscheidung geändert hätten.