CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer war da, auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller, sein Vor-Vorgänger Eberhard Diepgen und viele Politiker und Weggefährten mehr. Rund 400 Gäste waren am Freitag zu einer bewegenden Trauerfeier für Jörg Schönbohm mit anschließender Militärzeremonie in den Berliner Dom gekommen. In der ersten Reihe mit dem Blick frei nach vorne, wo der Sarg, bedeckt von einer Bundesflagge und bewacht von acht Soldaten, aufgebahrt war, saß Schönbohms Familie. Er hinterlässt seine Frau, drei Kinder, neun Enkel und einen Urenkel. Schönbohm starb am 7. Februar im Alter von 81 Jahren in Kleinmachnow.

Jörg Schönbohm wurde 1937 im märkischen Neu Golm bei Bad Saarow geboren. Nach Kriegsende zog die Familie in den Westen. Mit 20 Jahren ging er zur Bundeswehr, wo er es vom Artilleristen zum Generalleutnant und Inspekteur des Heeres brachte. Furore machte er 1990, als er von Strausberg aus die 90.000 NVA-Soldaten in die Bundeswehr integrierte. Später wurde Schönbohm als erster Soldat Staatssekretär im Verteidigungsministerium, ehe er der CDU beitrat und komplett in die Politik wechselte.

Von 1996 bis 1998 war er Berliner Innensenator, von 1999 bis 2009 Brandenburger Innenminister. In seinen Memoiren charakterisierte sich Schönbohm, der oft nur „General“ genannt wurde, in dieser Zeit selbst als „Soldat der Politik“.

Schäuble über Schönbohm: „Staatsdiener von preußischer Statur“

Privat kehrte Jörg Schönbohm 1996 nach Brandenburg zurück. Er zog nach Kleinmachnow. An seiner Seite stets: Ehefrau Eveline. Die beiden kannten sich seit Kinderzeit, später folgte sie ihm auf allen Karriereschritten. Am 31. Dezember 2009 feierten sie im Berliner Dom Goldene Hochzeit. „Jörg Schönbohm hat einmal gesagt, in dieser Kirche sei er zu Hause“, sagte Alt-Bischof Wolfgang Huber in seiner Rede.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) würdigte Schönbohm als „Staatsdiener von preußischer Statur“ und „Konservativen im besten bürgerlichen Sinne“. Er habe Haltung und feste Überzeugungen gehabt und das staatliche Gewaltmonopol verteidigt – „auch gegen Widerstände von innen“.

Jörg Schönbohm in Zehlendorf beigesetzt

Ministerpräsident Dietmar Woidke pries Schönbohms enge Verbundenheit mit Brandenburg. Das Land trauere „um einen seiner besten Männer“. Und der SPD-Landesvater bemühte Theodor Fontane: „Die Liebe zu dem Fleck, der uns geboren, schließt 100 Kräfte in sich.“ Einen Blick auf den privaten Mann gestattete einer der Söhne, Hendrik Schönbohm: Eines Tages habe er seinen Vater angetroffen, als dieser die Küche putzte. Er habe gefragt: „Was machst du da?“ Sein Vater habe geantwortet: „Hier putzt der General.“ 

Am Ende spielt draußen vor der Tür das Stabsmusikkorps der Bundeswehr „Ich hatt einen Kameraden“. Der Sarg wurde in einen Leichenwagen geschoben, der nach Zehlendorf fuhr, wo Jörg Schönbohm beigesetzt wurde.