Berlin - Es wirkt wie ein Duell ohne Duellanten. Berlin und Hamburg wollen 2024 oder 2028 die Olympischen Spiele ausrichten, doch mit allen Mitteln darum kämpfen wollen sie offenbar nicht. Seit Wochen rühren die Olympiafans in beiden Städten die Werbetrommeln für eine mögliche Bewerbung, ohne den Kontrahenten auch nur zu erwähnen. Kein böses Wort über das gegnerische Konzept, kein Spott über Probleme mit Großprojekten, höchstens ein lokalpatriotisches „wir können das“ ist zu hören. Dabei geht es bereits um alles oder nichts.

Am 21. März entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), ob er mit Berlin oder mit Hamburg ins Rennen gehen will. Für den unterlegenen Kandidaten hat sich das Thema Olympia dann wohl auf Jahrzehnte erledigt. Alle Planspiele wären umsonst gewesen, sämtliche Hoffnungen auf einen Investitionsschub und einen weltweiten Imagegewinn für die eigene Stadt müssten begraben werden. Die politisch Verantwortlichen hätten ihren Bürgern eine empfindliche Niederlage zu erklären.

Das dürfte auch der Grund sein, warum die SPD-Regierungschefs Michael Müller (Berlin) und Olaf Scholz (Hamburg) so zurückhaltend sind. Je weniger wir heute auftrumpfen, desto glaubwürdiger können wir morgen dem Sieger gratulieren, mögen sie denken. Ein Duell, also ein langwieriges Ausscheidungsverfahren auf nationaler Ebene, wollten die Senate in Berlin und Hamburg ohnehin nicht. Als der DOSB im Frühsommer 2014 seine so genannte Interessenbekundung startete und beiden Städte einen Fragenkatalog zuschickte, gingen die Regierungen noch davon aus, dass wenige Monate später alles entschieden ist.

Doch der DOSB verschob seinen für Anfang Dezember geplanten Beschluss und schickte die Wettbewerber in die Verlängerung. Einerseits nahmen die Sportfunktionäre damit auf Hamburg Rücksicht, wo an diesem Wochenende gewählt wird. Andererseits scheinen sie selber nicht recht zu wissen, nach welchen Kriterien sie die Olympia-Kandidatur vergeben sollen. Bisher behauptet das DOSB-Präsidium jedenfalls, die Bewerbungen von Berlin und Hamburg seien gleichermaßen überzeugend. Vor- und Nachteile benannte bisher niemand, jedenfalls nicht öffentlich. Im Gegenteil: „Beide Städte haben tolle Konzepte erarbeitet“, lobte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Mit beiden Städten könne Deutschland sich gegen die derzeitige Konkurrenz (Boston, Paris und Rom) sehen lassen.

Vielleicht fehlt auch ein wenig Mut zur Entscheidung, denn dem Vernehmen nach sollen die Präsidiumsmitglieder in ihrer Meinung gespalten sein. Die einen seien klar für Hamburg, die anderen ebenso klar für Berlin, heißt es in Kreisen der Sportverbände. Vermutlich auch deshalb will der DOSB seinen Beschluss nun nach der Stimmung in der Bevölkerung ausrichten. Ende Februar führt das Forsa-Institut im Auftrag des DOSB eine letzte Umfrage durch. Wenn die Bürger sich in einer Stadt sehr viel deutlicher für Olympia aussprechen als in der anderen, dürften die Entscheider das als vermutlich wichtigstes Kriterium anführen.

Nachvollziehbarer wäre es jedoch, wenn der DOSB eine inhaltliche Bewertung der Austragungskonzepte vorlegen würde. Eine Analyse der Stärken und Schwächen also. Schließlich hat der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, Reformen angekündigt, darunter ein stärkeres Zugehen auf die Bewerberstädte und mehr Transparenz. Stattdessen gibt man sich am Sitz des DOSB in Frankfurt/Main zugeknöpft. Auch die Politiker könnten übrigens auskunftsfreudiger sein. Die Berliner Zeitung hat nun die Pläne verglichen, so gut es anhand der verfügbaren Unterlagen geht. Generell sind Berlin und Hamburg ganz andere Städte, aber auch ihre Konzepte unterscheiden sich erheblich. Hamburg will ein eher klassisches Olympia der kurzen Wege bieten, müsste aber teure Stadien bauen. Berliner Spiele wären dezentraler, dafür aber billiger und stadtverträglicher, wie der Überblick zeigt.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt, wie sich Berlin und Hamburg bei den Sportstätten aufstellen will.