Bewerbung Olympia 1993: Peinliche Kampagne

Eine Mischung aus Häme und Erleichterung machte sich breit, als am Abend des 23. September 1993 feststand: Berlin wird nicht die Olympischen Spiele des Jahres 2000 austragen. Nur neun Stimmen erhielt die Stadt beim Olympiastadtfindungskongress des IOC in Monte Carlo – das war das Aus bereits im zweiten Wahlgang. Dass sich am Ende Sydney durchsetzte, wurde allenfalls zur Kenntnis genommen. Wichtig schien nur noch zu sein: Egal wer, nur nicht Berlin.

Für die NOlympia-Stimmung des Jahres 1993 gab es natürlich eine ganze Menge Gründe. Wenig war geblieben von dem kühnen Entwurf aus den Achtzigern, als die Idee einer gemeinsamen Bewerbung von Ost- und West-Berlin auftauchte. Längst erwies sich der Prozess des tatsächlichen Zusammenwachsens als mühsam. Das Gefühl machte sich breit, es gäbe wahrhaft Wichtigeres als „jetzt auch noch Olympia“. Außerdem fehlte die Unterstützung aus dem alten Westen, die noch in Bonn sitzende Bundesregierung warb nicht genügend für Berlin.

Hinzu kam ein geradezu legendär schlechtes Management der landeseigenen Olympia GmbH. Geschäftsführer kamen und gingen, Geld wurde verplempert, auch für Einladungen für die IOC-Granden, aber auch für Dossiers über sie, in denen etwa ihre sexuellen Präferenzen aufgelistet werden sollten. So wurde das unschuldige gelbe Bärchen-Logo zum Symbol einer unfähigen Kampagne, gescheitert an einer berlinischen Mischung aus Großmannssucht und Provinzialität.