Bewohner der Cuvry-Brache sind vertrieben: Nach den Hütten kommen die Cuvryhöfe

An der Kreuzberger Cuvrystraße rollen die Bulldozer – ein Slum verschwindet. Der Eigentümer des Grundstücks hat am Montag damit begonnen, die provisorischen Holzhütten und Zelte einzureißen. Er schafft damit Baufreiheit für die Cuvryhöfe. Auf 11 000 Quadratmetern sollen Wohnungen entstehen. Während die Bagger Sperrmüllhaufen auf Lkw luden, flüchteten immer wieder Ratten von dem Gelände. Bewacht werden die Arbeiten von einem Sicherheitsdienst. Unterstützt werden sie von Polizisten aus mehreren Einsatzhundertschaften.

Wie berichtet, hatte es auf der Brache an der Cuvrystraße gebrannt. Seit 2012 hatten dort knapp hundert Menschen unter katastrophalen hygienischen Bedingungen gehaust. Mehrere Bewohner des Elendsquartiers hatten sich in der Nacht zum Freitag gestritten. Dabei wurde Benzin verschüttet und angezündet. Die Polizei sperrte die Fläche als Tatort ab. Anschließend übergab sie das Areal den Eigentümern, die niemanden mehr auf das Gelände ließen und einen Zaun errichteten.

Aus Protest gegen die Räumung verbrachten etwa 30 Roma, die bislang auf dem Gelände campiert hatten, die darauffolgenden Nächte im Freien. Sie ließen sich mit Matratzen und Planen auf einer etwa 100 Meter entfernten Grünfläche in der Cuvrystraße nieder. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg duldete das illegale Camp zunächst. Mitarbeiter der Behörde verteilten vor Ort Listen mit Adressen der Berliner Bezirksämter. Dort sollten sich die Campierenden melden, um nach Quartieren zu fragen. Als die Platzbesetzer keine Anstalten machten, den Rasen zu räumen, stellte das Bezirksamt am Montagmorgen bei der Polizei einen Antrag auf Amtshilfe. Nach Angaben von Polizisten wollten die Roma den Anweisungen der Polizei gerade Folge leisten und den Platz verlassen, als sich rund 20 Unterstützer dazugesellten. Daraufhin kam es zu Rangeleien. Etwa 150 Beamte waren nach Angaben eines Polizeisprechers im Einsatz, um die Situation zu beruhigen. Wo die ehemaligen Slum-Bewohner jetzt unterkommen, ist unklar.

Auf dem Gelände der Cuvrybrache will der Berliner Immobilienentwickler Artur Süsskind die Cuvryhöfe bauen, einen Komplex mit 250 Wohnungen, Kita und Supermarkt. Richtung Spree soll eine öffentliche Terrasse entstehen. Allerdings gibt es noch keine Baugenehmigung, da der Bebauungsplan noch aussteht. Süsskind hatte laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung um eine Neufassung gebeten, weil der alte Plan, der um die Jahrtausendwende beschlossen worden war, deutlich mehr Gewerbe- und weniger Wohnfläche vorsah. Verwaltungssprecherin Daniela Augenstein rechnet damit, dass der neue Bebauungsplan 2015 beschlossen wird und dann die Arbeiten beginnen können. Derzeit verhandeln Land und Investor. Diskussionspunkte sind unter anderem der Anteil bezahlbaren Wohnraums. Dem Vernehmen nach möchte Berlin hier 30 Prozent, Süsskind nur 10 Prozent.