Panoramabus von Severin + Kühn in den 1970er-Jahren.
Foto: BEX

BerlinVom Kudamm über den Checkpoint Charlie nach Ost-Berlin – eine solche Tour war zu DDR-Zeiten mit einigem Aufwand verbunden. Dennoch bot schon ab 1956 ein West-Berliner Reisebusunternehmen drei- bis vierstündige Sightseeing-Touren durch beide Teile der Stadt an, später auch bis nach Potsdam. Das war eine Besonderheit, denn dafür brauchte es eine Genehmigung.

Severin + Kühn hieß eben jenes Unternehmen, das als erstes die Erlaubnis bekam zur „Durchführung von ständigen Stadtrundfahrten durch die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik (demokratisches Berlin)“ wie es im damaligen offiziellen Sprachgebrauch hieß. Das Unternehmen gibt es noch heute, mittlerweile firmiert es zwar unter dem Namen BEX Sightseeing und gehört zum Konzern der Deutschen Bahn, das Büro aber befindet sich noch wie damals am Kurfürstendamm 216.

Anzeige von Severin + Kühn aus den 1980er-Jahren.
Foto: BEX

„Die Touren in die DDR mit unseren Bussen waren auch deshalb so beliebt, weil sich viele Touristen sonst wohl gar nicht getraut hätten, auf eigene Faust die Grenzen zu passieren“, sagt Peter Schadow, heutiger Geschäftsleiter des Bereiches Sightseeing bei BEX. Der Blick aus den Panoramafenstern der Busse gab Sicherheit, das Formelle an den Grenzen wurde von den Organisatoren abgewickelt. So mussten Ausländer und Westdeutsche ein Visum erteilt bekommen, West-Berliner hatten den Berechtigungsschein zum Empfang eines Visums außerdem bereits vier Wochen vor Beginn der Stadtrundfahrt zu beantragen. Wegen der unterschiedlichen Anforderungen fanden die Touren für West-Berliner außerdem stets in getrennten Bussen statt.

Touristenzustrom nach dem Mauerfall

Waren die Passagierdaten korrekt durchgegeben und kein Pass abgelaufen, lief es an der Grenze in der Regel reibungslos. Dahinter übernahmen Ost-Berliner Reiseleiter die Führung entlang dem Gendarmenmarkt, Alexanderplatz oder dem Sowjetischen Ehrenmahl in Treptow – ein Halt hier war Pflicht.

Auch nach dem Mauerfall riss das Interesse nicht ab. „Im Gegenteil“, sagt Schadow, „Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre führte der plötzliche Besucherzustrom aus aller Welt zu einer regelrechten Explosion der Fahrgastzahlen. Alle wollten sehen, wie Berlin mit offenen Grenzen aussieht.“ Das ist nunmehr 30 Jahre her. Das Geschäft mit Stadtrundfahrten hat sich geändert. „Die Fahrgastzahlen sind weiterhin hoch, aber heute sind weniger geführte Touren gefragt als Hop-on-Hop-off-Touren“, sagt Schadow. Solche, wo jeder Tourist in die Busse zusteigt, wann und wo er möchte und Informationen über Kopfhörer in der jeweiligen Landessprache gegeben werden. Und von der einst geteilten Stadt wissen längst nicht mehr alle Berlin-Besucher, sagt der Tourismus-Experte.