Die soziale Schere zwischen den Bezirken Berlins wird größer, innerhalb des Bezirks Mitte gelte das entsprechend für seine zehn Regionen. Das teilte Ephraim Gothe (SPD), Stadtrat in Mitte, am Freitag bei der Vorstellung einer Studie zu Basisdaten und sozialer Lage in seinem Bezirk mit. In Gothes Amt fließen die Probleme zusammen, er ist für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit zuständig.

Zwar würden 70 Prozent der 189.000 Mietwohnungen in Mitte weniger als sechs Euro Miete netto kalt pro Quadratmeter kosten. Bei Neuvermietungen auch in schlechten Lagen jedoch würden bis zu zwölf Euro verlangt. Der Druck auf den Markt sei groß. Die Bevölkerungszahl wuchs von 2011 bis 2017 um 52.000 auf 380.000.

Einkommen können mit Mieten nicht mithalten

Wegen der hohen Neu-Mieten zahle inzwischen mehr als die Hälfte der Haushalte in Mitte mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete. Über 240 Millionen Euro müsse das Sozialamt jährlich als Mietkostenzuschuss an Rentner und nicht Erwerbsfähige sowie für die Unterbringung von Wohnungslosen ausgeben, deren Einkommen die Mietzahlung nicht decken kann.

Die Einkommen hielten mit den Mieten nicht mit. Zwar stieg das durchschnittliche Nettoeinkommen von 2001 bis 2017 in Mitte von 775 auf 1075 Euro – das aber ist immer noch der zweitschlechteste Wert in ganz Berlin. Im benachbarten Pankow wuchs das Nettoeinkommen auf den höchsten Wert: im Schnitt von 875 auf 1475 Euro.

Das hängt laut Gothe auch damit zusammen, dass junge Leute wegen günstiger Mieten zwar in Problemviertel wie beispielsweise Gesundbrunnen ziehen. Wenn sie dann aber besser verdienen und Kinder haben, verschwänden sie nach Pankow, wo sie Schulen finden, die seltener von Kindern mit Migrationshintergrund besucht werden.

Das verfestige die schlechte soziale Lage wie an der Soldiner Straße, wo fast 39 Prozent der Bewohner unter 65 Jahren von Hartz IV leben. Rund um den Zionskirchplatz sind es nur fünf Prozent. Kinder, die dort aufwachsen, hätten bessere Chancen in der Schule und später bei der Arbeitssuche.

Gothe kritisiert Fläche für Parkplätze

Damit sich die Zustände ändern, verlangt Gothe, dass der Mindestlohn drastisch steigt. Damit die Menschen ihre Miete zahlen können, müssten auch mehr Wohnungen gebaut werden, vornehmlich von landeseigenen Gesellschaften. Allerdings unter der Bedingung, dass zum Ausgleich neues Grün entsteht, beispielsweise auf Dächern.

Gleichzeitig nimmt Gothe den Verkehr in den Blick: Im Bezirk sei die Fläche für Parkplätze fast so groß wie die 210 Hektar des Großen Tiergartens. Im Rahmen einer „drastischen Verkehrswende“, sagt Gothe, müssten dort, wo jetzt geparkt werde, nicht nur neue Radwege, sondern Baumreihen mit Versickerungsflächen für Regenwasser entstehen.