Bezirk Lichtenberg registriert niedrigste Arbeitslosigkeit seit Wende

Berlin - Bist du ein Kontroletti? Hast du schon mal dein Bad auf Keime untersucht? Mit solch markigen Sprüchen wirbt Lichtenberg jetzt für Jobs in der Bezirksverwaltung, sei es als „Kontroletti“ im Ordnungsamt oder als Gesundheitsaufseher. Jobflüsterer heißt die ungewöhnliche Kampagne mit dem Slogan „Lichtenberg braucht dich!“

Das Projekt Jobflüsterer ist ein passendes Beispiel für das Bemühen des Bezirks, mit unbürokratischen Ideen die Zahl der Arbeitslosen zu reduzieren. Immerhin gehört die Bezirksverwaltung mit mehr als 2000 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern im Bezirk. In diesem Jahr werden 120 Stellen ausgeschrieben, 25 Auszubildende lernen dort. Zur Jobkampagne gehören auch Anzeigen und Radiospots. Auf Stoffbeuteln steht ein QR-Code, der zu den aktuellen Stellenausschreibungen führt.

Jobcenter und Bezirksamt kooperieren intensiv. Unternehmer, die Menschen in Arbeit bringen, haben sich im Lichtenberger Bündnis für Wirtschaft und Arbeit organisiert, das Jobcenter hat eine Jugendberufsagentur eröffnet, Mitarbeiter eines Aktivteams begleiten Arbeitssuchende von der Stellensuche über die Bewerbung bis zum Vorstellungsgespräch. Ähnlich funktioniert das Projekt „Familie im Kiez“, das vor allem für bedürftige Familien geschaffen wurde. „Wir wollen individuell auf individuelle Hemmnisse reagieren“, sagt Lichtenbergs Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro (SPD). Als nächstes plant sie eine Jobbörse an Schulen, um arbeitslose Eltern von Kindern direkt mit Jobanbietern in Kontakt zu bringen.

Viele Alleinerziehende im Bezirk

Die Mühe lohnt sich. Im Juni 2016 registrierte der Bezirk die niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wende. Von einem „historischen Ergebnis“ spricht die Bürgermeisterin. Gab es im Januar 2011 noch 21.048 Arbeitslose im Bezirk (14 Prozent), waren es im Juni 2016 noch 12.947 (8,2 Prozent). Damit liegt Lichtenberg unter dem Berliner Durchschnittswert von 9,5 Prozent. Gleichzeitig sank auch die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren von 2180 (12,4 Prozent) im Januar 2011 auf 889 (7,9 Prozent) im Juni 2016. Bemerkenswert ist dieser Abwärtstrend auch deshalb, weil in Lichtenberg sehr viele Alleinerziehende leben, die schon lange arbeitslos sind. Und in den vergangenen Jahren zogen zudem viele bedürftige Familien aus anderen Bezirken nach Lichtenberg, „weil die Mieten hier noch niedriger sind“, sagt Birgit Monteiro.

Das Lichtenberger Jobcenter führt mit der Zahl seiner Jobvermittlungen die Liste der Berliner Bezirke an. 2015 bekamen in Lichtenberg 8500 Menschen einen Job, darunter 1100 Alleinerziehende. In diesem Jahr bekamen bereits 3300 Menschen eine Arbeit, darunter sind 410 Alleinerziehende. „Wir haben uns auf unsere Kunden spezialisiert“, sagt der Chef des Jobcenters, Lutz Neumann.