Bezirksamt lässt sich Zeit: Wird die Sperrung der U2 zur unendlichen Geschichte?

Der U-Bahnhof Alexanderplatz ist abgesackt, die Strecke unterbrochen. Es steht fest, wie der Tunnel saniert werden kann. Doch eine Genehmigung fehlt.

Betreten verboten! Im U-Bahnhof Alexanderlatz sind das Gleis nach Pankow und der dazugehörige Bahnsteig seit 7. Oktober gesperrt. Inzwischen wurden die Stationsschilder dort entfernt.
Betreten verboten! Im U-Bahnhof Alexanderlatz sind das Gleis nach Pankow und der dazugehörige Bahnsteig seit 7. Oktober gesperrt. Inzwischen wurden die Stationsschilder dort entfernt.Berliner Zeitung/Peter Neumann

Seit mehr als zwei Monaten ist die U-Bahn-Linie U2 in Mitte nun schon unterbrochen. Seit mehr als zwei Monaten müssen Fahrgäste unterwegs in einen Pendelzug umsteigen, der nur alle 15 Minuten fahren kann. Längst nennen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) keinen Termin mehr, wann die U2 wieder wie früher verkehren wird. Dabei ist klar, wie der abgesackte Bahnhof unter dem Alexanderplatz saniert werden kann. Dafür muss das Bezirksamt Mitte eine Genehmigung erteilen. Doch wie lange das noch dauert, kann dort niemand sagen. Wird die Havarie in der U2 zur unendlichen Geschichte?

Wie berichtet hat sich der unterirdische Bahnhof um 3,1 bis 3,6 Zentimeter gesetzt. Das ist der Fachbegriff, wenn Bauwerke in Bewegung geraten. Experten gehen davon aus, dass dies mit einem Hochhausbauprojekt des französischen Investors Covivio zusammenhängt. In der Baugrube, die neben dem U2-Bahnhof liegt, sind die Arbeiten eingestellt worden. Ebenfalls aus Sicherheitsgründen wurde das Gleis nach Pankow am 7. Oktober gesperrt. Zwischen den Stationen Senefelderplatz und Klosterstraße gibt es seitdem Pendelverkehr. Weil sich die Reisezeit zum Teil enorm verlängert hat, weichen Fahrgäste auf andere Verbindungen aus – oder sie nutzen andere Fortbewegungsarten.

Berliner Fahrgastverband IGEB fordert: „Das muss schneller gehen“

Das Sanierungskonzept sieht vor, von der Baugrube der Covivio aus eine Zementemulsion unter das Bahnhofsbauwerk von 1913 zu pumpen. Dadurch soll die Setzung ausgeglichen werden. Doch damit diese Arbeiten ausgeführt werden können, ist eine Sondernutzungsgenehmigung nach dem Berliner Straßengesetz erforderlich, bekräftigte eine Sprecherin des Bezirksamts Mitte. Das stellt man bei der Covivio und der BVG nicht infrage. Schließlich müsse auf dem Alexanderplatz, der dem Land Berlin gehört, öffentliches Straßenland für die Einrichtung der Baustelle genutzt werden.

Konsens ist auch, wer für die Antragstellung verantwortlich ist. „Covivio als Bauherrin des Hochhauses neben dem ParkInn“, erklärt die Bezirkssprecherin. Für Irritationen sorgt allerdings, wie lange die Verwaltungsprozedur nun schon dauert. „Das Verfahren befindet sich noch am Anfang, so dass zum jetzigen Zeitpunkt darüber keine seriöse Aussage getroffen werden kann“, teilte das Bezirksamt am Freitag mit.

Im U-Bahnhof Klosterstraße fährt ein Pendelzug ein. Weil im U-Bahnhof Alexanderplatz ein Gleis gesperrt werden musste, kann der Abschnitt bis Senefelderplatz nur alle 15 Minuten befahren werden.
Im U-Bahnhof Klosterstraße fährt ein Pendelzug ein. Weil im U-Bahnhof Alexanderplatz ein Gleis gesperrt werden musste, kann der Abschnitt bis Senefelderplatz nur alle 15 Minuten befahren werden.Berliner Zeitung/Peter Neumann

„Das muss schneller gehen“, forderte Jens Wieseke, Sprecher des Berliner Fahrgastverbands IGEB, am Dienstag. Jede Verzögerung sei „fahrgastfeindlich“. „Das Bezirksamt muss erkennen, dass es eine gesamtstädtische Verantwortung hat.“ Die Linie U2 sei zu wichtig, sagte er. Wieseke fragte sich, wo eigentlich das Problem liege. Für die Arbeiten müsste nur ein kleiner Teil des Fußgängerbereichs in Anspruch genommen werden. Der IGEB-Sprecher bemängelte auch, dass BVG und Senat nicht schon früher eingegriffen hätten: „Die Verantwortlichen hätten schon bei einer Setzung von einem Zentimeter reagieren müssen.“ Die BVG habe doch Erfahrung: Bei einem eigenen Projekt, der Verlängerung der U5 in Mitte, seien keine Schäden aufgetreten, die über Haarrisse hinausgingen.

Dienstpläne für den Pendelverkehr wurden bis Mitte März 2023 verlängert

In der Zwischenzeit hatte es bereits Kritik am Bezirk Mitte gegeben. Wie berichtet war die Teilsperrung der U2 am 5. Dezember Thema im Aufsichtsrat der landeseigenen BVG. Berichtet wird, dass sich Finanz-Staatssekretärin Barbro Dreher unzufrieden gezeigt habe. Mit der U2 sei eine der wichtigsten Ost-West-Linien im Berliner Verkehrsnetz unterbrochen, wurde dort festgestellt. Hieß es im November, dass das zweite Gleis im Februar 2023 wieder in Betrieb geht, ist davon inzwischen keine Rede mehr. Die jetzigen Dienstpläne bei der U-Bahn wurden vorsorglich bis Mitte März 2023 verlängert.

Nicht nur viele U-Bahn-Nutzer, auch BVG-Mitarbeiter leiden unter dem jetzigen Zustand. „An ihnen lassen Fahrgäste oft ihren Ärger aus“, sagt eine Mitarbeiterin der U-Bahn. Wer im U-Bahnhof Klosterstraße damit konfrontiert wird, dass der nächste Pendelzug erst in 13 oder 14 Minuten verkehrt, fühlt schlechte Laune aufsteigen. Wer mit dem Pendelverkehr ankommt und auf dem anderen Gleis den Anschlusszug Richtung Potsdamer Platz abfahren sieht, ist ebenfalls missgestimmt. Zumal wenn er oder sie dann erfährt, dass der nächste Anschluss erst in zehn Minuten kommt. Aus Kapazitätsgründen musste der Fahrplan bis Spittelmarkt ausgedünnt werden.

Senat schließt kurzfristige Unterbrechungen des U-Bahn-Betriebs nicht aus

Beobachter befürchten, dass sich andere Bauprojekte ebenfalls auf die Infrastruktur der U-Bahn auswirken. Zum geplanten Umbau des Warenhauses Karstadt am Hermannplatz, dessen Grundstück der Signa Prime Selection AG gehört, haben die Linke-Abgeordneten Elif Eralp und Katalin Gennburg dem Senat Fragen gestellt. „Wiewohl kurzfristige Unterbrechungen des U-Bahnbetriebes im Rahmen erforderlicher Baumaßnahmen nicht ausgeschlossen werden können, ist es das Bestreben des Senats, in Abstimmung mit der BVG eine Außerbetriebnahme des U-Bahnhofs Hermannplatz und somit Beeinträchtigungen für die Berliner Bevölkerung durch geeignete, vertraglich abzusichernde Maßnahmen zu vermeiden“, so Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt.

Der wesentliche Teil des U-Bahnhofs Hermannplatz, zu dem die Bahnsteige der U7 und U8 gehören, sei nicht mit dem Warenhausbauwerk verbunden, so der Senat. Eine Ausnahme seien die beiden Fußgängertunnel, bei denen es eine konstruktive Verbindung gebe. „An diesen Stellen befinden sich auch konstruktive Fugen, die gegebenenfalls in einem bestimmten Umfang unterschiedliche Bewegungen aufnehmen können“, hieß es. Die für die Errichtung der neuen Untergeschosse nötigen Baugrubenwände seien 30 bis 40 Meter von den Tunnelanlagen der BVG entfernt, so der Bauherr. Dadurch würden Risiken „deutlich verringert“.