Jetzt ist es von höchster Stelle bestätigt: Der gelernte Dachdecker Mario K. ist der Maskenmann, der in Brandenburg zwei wohlhabende Familien brutal überfallen und einen Manager entführt hat. Davon gehen die Richter des Bundesgerichtshof (BGH) aus. Sie verwarfen nun die Revision der Anwälte des im Juni vergangenen Jahres vom Landgericht Frankfurt (Oder) zur Höchststrafe verurteilten Mannes.

Damit muss Mario K. wegen versuchten Mordes und erpresserischen Menschenraubs eine lebenslange Freiheitsstrafe absitzen. Der 48-jährige Berliner hatte bestritten, der Täter zu sein. Es gab keine eindeutigen Beweise gegen den vorbestraften Mann, keine DNA-Spur, keine Fingerabdrücke. Und auch die Waffe, mit der der Täter geschossen hatte, wurde nie gefunden. Selbst Ermittler hatten Zweifel an der Täterschaft des Mannes geäußert.

Verteidiger Axel Weimann kritisiert Urteil

Axel Weimann, der Verteidiger von Mario K., zeigte sich enttäuscht von dem Urteil des BGH. “Mein Mandant hat die Entscheidung mit Fassungslosigkeit aufgenommen”, sagte der Anwalt am Freitag. Es sei unverständlich, dass ein solches Urteil in einem Rechtsstaat rechtskräftig werden könne. “Der Kampf gegen das Fehlurteil ist aber noch nicht zu Ende”, so Weimann. Er hofft auf ein Wiederaufnahmeverfahren. Dafür jedoch müsse es neue Beweise gegen den oder die wirklichen Täter geben, Zeugen etwa, die bisher geschwiegen hätten. “Vielleicht plagt sie nun das schlechte Gewissen, weil ein Unschuldiger im Gefängnis sitzt”, sagte Weimann.

Mit der BGH-Entscheidung endet ein umstrittenes Verfahren in einem der spektakulärsten Verbrechen der Brandenburger Kriminalgeschichte. Am 22. August 2011 überfiel ein mit einer Sturmhaube maskierter Mann Petra P., die Ehefrau eines Immobilienmillionärs. Der Täter knüppelte die 61-Jährige vor ihrer Villa in Bad Saarow (Oder-Spree) mit einem Schlagstock nieder. Die Frau wurde schwer verletzt. Sechs Wochen später versuchte ein maskierte Mann, die 23-jährige Tochter von Petra P. in Bad Saarow zu entführen. Ein Bodyguard stellte sich dem bewaffneten Täter in den Weg, der ihm in den Rücken schoss. Seitdem ist der Personenschützer querschnittsgelähmt. Die Tochter konnte fliehen.

Fast genau ein Jahr später wurde der Investmentbanker Stefan T. aus seiner Villa am Storkower See entführt. Dabei schoss der Täter in die Decke des Wohnzimmers. Es war dieselbe Waffe, mit der auch der Bodyguard niedergestreckt worden war. Stefan T. wurde mit einem Kajak über den See gezogen und auf einer Insel am morastigen Ufer abgelegt. Er musste an seine Frau Briefe mit der Lösegeldforderung von einer Million Euro schreiben. Das Geld sollte nach einem laut Urteil bemerkenswert komplizierten GPS-Verfahren übergeben werden.

Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage

Stefan T. wurde wie ein Paket verschnürt auf der Insel zurückgelassen, nach 33 Stunden konnte er sich selbst befreien und ohne Unterkühlung oder sichtbaren Kratzer fliehen. Die Polizei versäumte es, ihn von einem Gerichtsmediziner untersuchen zu lassen - ein ansonsten übliches Verfahren bei Kapitalverbrechen, mit dem Verletzungen des Opfers dokumentiert werden.

Das Entführungsopfer, der wichtigste Zeuge, durfte bereits am Tag nach seiner Selbstbefreiung spontan mit seiner Familie in den Urlaub fliegen. Ermittlern wurden von der Polizeiführung Fragen an Stefan T. zu dessen Glaubwürdigkeit mit Verweis auf das Vermögen des Mannes untersagt. Und schnell schoss man sich auf Mario K. als Tatverdächtigen ein. Gegen drei Beamte aus der ermittelnden Sonderkommission, die die Polizeipannen im Prozess öffentlich gemacht hatten, laufen Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage.

Rechtsanwalt Panos Pananis, der den entführten Stefan T. vor Gericht als Nebenkläger vertreten hatte, sagte am Freitag: “Für mich war die Entscheidung des BGH nicht überraschend.” Er habe nie Zweifel daran gehabt, dass das Urteil des Landgerichts Frankfurt (Oder) hält. Für Stefan T. bedeute der BGH-Beschluss ein Abschluss.