Berlin - Eigentlich hat er der Schlossstraße in Steglitz gutgetan, dieser bunte Farbklecks inmitten der längsten Konsummeile in Berlins Südwesten. Seit der Bierpinsel 2010 von internationalen Street-Art-Künstlern mit Graffiti bemalt wurde, ist der Turm noch auffälliger als er es architektonisch ohnehin schon war. Jetzt geht das Projekt zu Ende. Schon bald soll der Bierpinsel wieder in seinem alten Karminrot erstrahlen.

Ein Platz für Kunst und Kultur

Dieses Jahr möchten die Eigentümerinnen, die Immobilienunternehmerin Tita Laternser und ihre Tochter Larissa, den seit Jahren geschlossenen Bierpinsel wiedereröffnen. „Schlossturm“ soll das 47 Meter hohe Gebäude dann heißen. Geplant ist ein Restaurant der gehobenen Klasse und ein Veranstaltungsort für Kunst und Kultur. Die Betreiber der schicken „Bar Tausend“ am Schiffbauerdamm in Mitte sollen zu den Interessenten gehören. Nähere Einzelheiten wollten die Eigentümerinnen noch nicht nennen.

„Die größte Baustelle ist die Fassade“, sagt Larissa Laternser. Noch immer gebe es Probleme durch den massiven Wasserschaden von vor drei Jahren. Im Dezember 2009 war bei eisiger Kälte im Innern ein Wasserrohr geplatzt. Das Wasser war an der Fassade herabgeflossen und durch den Frost gefroren. Derzeit würden Statiker prüfen, was an der Fassade saniert werden muss. „Wir wollen die Wärmedämmung umweltfreundlich erneuern“, sagt Larissa Laternser. Bei den anstehenden Bauarbeiten müssten aber besonders viele Auflagen erfüllt werden. Allein schon ein Gerüst an diesem pilzförmigen Gebäude aufzustellen, sei eine große Herausforderung, so Laternser.

Im Frühjahr sollen die Bauanträge für die Fassade gestellt werden. Bis dahin muss noch die Gebäudeversicherung der Sanierung zustimmen. Einige Unwägbarkeiten gebe es noch, sagt Larissa Laternser. Deshalb sei der Zeitplan für die Wiedereröffnung noch nicht sicher. „Wenn alle gut zusammenarbeiten, kann es klappen. Aber ob wir es schaffen, wissen wir noch nicht“, so Laternser.

Kunst statt Kommerz

Etwa 500 000 Euro hatte die Graffiti-Kunstaktion 2010 gekostet, bezahlt von Sponsoren. Sie war von vornherein zeitlich begrenzt. Das Projekt war auf viel Zustimmung gestoßen – nur nicht beim Architekten des Bierpinsels, Ralf Schüler. Zusammen mit seiner Frau hatte er immer wieder mit Klage gedroht. Es kam zu einem langen Streit mit den Laternsers. Schüler hatte sein Urheberrecht verletzt gesehen und von einer „Verunstaltung“ gesprochen. Nach eigenen Angaben hatte er den Eigentümerinnen die Aktion verboten. Die wiederum erklärten damals, die Schülers hätten ursprünglich zugestimmt. Die zentrale Forderung der Schülers – die Rückkehr zum Rot – wird nun erfüllt. Der Architekt aber wird es nicht mehr erleben. Er verstarb im März 2011.

Zu den früheren Betreibern des Bierpinsels, der im Oktober 1976 eröffnete, hatten unter anderem ein Wienerwald-Restaurant und eine Diskothek gehört. Doch die Nutzung der drei Etagen war nie von Erfolg gekrönt. Keiner der Gastronomen konnte sich lange in dem Gebäude halten. Vielleicht ändert sich das, wenn nun auch im Innern des Bierpinsels die Kunst Einzug hält. Sie wäre eine Gegenpol zum Massenkommerz der Schlossstraße.