Die Big Maple Leaf wurde vor fast drei Jahren aus dem Bode Museum gestohlen. Nun verlangt der Eigentümer der Riesenmünze von der Versicherung Entschädigungszahlungen. 
dpa

BerlinVor rund drei Jahren ging im Berliner Bode-Museum einer der spektakulärsten Coups der Nachkriegszeit über die Bühne. Diebe stahlen die 100 Kilogramm schwere Goldmünze Big Maple Leaf. Tatverdächtig sind vier junge Männer, sie sich seit  zwölf Monaten wegen Diebstahls in besonders schweren Fall vor einer Strafkammer des Landgerichts verantworten müssen. Der Ausgang des Prozesses ist offen.  

Nun aber gibt es ein neues Verfahren um die Big Maple Leaf. Deren Eigentümer, der Düsseldorfer Immobilienentwickler Boris Fuchsmann, klagt auf Schadensersatz für seine Riesenmünze, die nach seinen Angaben mit mehr als vier Millionen Euro versichert war. Fuchsmann hatte den wagenradgroßen Goldschatz dem Bode-Museum im Jahr 2010 als Leihgabe überlassen.

Goldmünzen-Diebstahl: Zivilklage gegen Museums-Versicherung

Am 21. Februar wird die Klage gegen die Versicherung des Museums erstmals vor einer Zivilkammer des Landgerichts am Tegeler Weg verhandelt. Das teilte Gerichtssprecher Thomas Heymann auf Anfrage mit. Das Verfahren werde wegen seiner Bedeutung vor einer mit drei Richtern besetzten Kammer geführt. Zunächst sei nur ein Verhandlungstag vorgesehen. Es werde wie üblich geprüft, ob eine gütliche Einigung in dem Verfahren möglich sei.

Das aber schließt Boris Fuchsmann gegenüber der Berliner Zeitung aus. Einigen müssten sich nach seinen Worten die Versicherung mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, deren Träger die Länder und die Bundesrepublik seien. Die Versicherung habe nach seinen Angaben bisher nicht den vollen Betrag gezahlt, weil sie Sicherheitsmängel beim Schutz der Goldmünze gesehen habe.

Bisher nur 800.000 Euro gezahlt

„Letztlich bin ich doppelt versichert. Laut Vertrag haftet das Museum bei einem Verlust der Münze, aber es ist auch versichert“, sagte Fuchsmann. Nach Informationen dieser Zeitung hat die Assekuranz bisher nur 800.000 Euro gezahlt.

Die drei Zentimeter dicke Münze Big Maple Leaf wurde 2007 in Kanada geprägt. Von ihr gibt es weltweit nur fünf Exemplare. Sie hat einen Verkaufswert von 3,75 Millionen Euro. Die Münze aus reinstem Gold verschwand in der Nacht zum 27. März 2017 aus dem Bode-Museum, obwohl ein Wachmann im Haus war.  

So lief der Goldmünzen-Diebstahl ab

Die Täter waren offenbar vom Bahnhof Hackescher Markt über die Bahntrasse zum Bode-Museum gelaufen, über eine Leiter durch das einzige Fenster in das Museum gestiegen, das nicht alarmgesichert war. Mit einer Axt zerschlugen sie das Sicherheitsglas der Vitrine, in der die Riesenmünze ausgestellt war.

Auch die Vitrine war nicht mit einer Alarmanlage ausgestattet. Zu unwahrscheinlich schien den Verantwortlichen die Möglichkeiten, dass Diebe den schweren Schatz so einfach aus den Ausstellungsräumen bugsieren konnten. So sagten es Zeugen im Prozess immer wieder. Auf einem Rollbrett transportierten die Täter ihre Beute zurück zum Fenster, sie ließen die Münze auf den Bahndamm fallen. Dort erfolgte der Abtransport mittels einer Schubkarre.  

Prozess: Großmutter sagt aus

Angeklagt sind vier junge Männer. Denis W. arbeitete als Aufsicht im Museum, als die Münze verschwand. Er soll den Brüdern Ahmed und Wayci R. und deren Cousin Wissam R. Tipps für den Millionencoup gegeben haben. Ahmed, Wayci und Wissam R. sind Mitglieder einer polizeibekannten arabischstämmigen Großfamilie.

Von der Zwei-Zentner-Goldmünze fehlt bis heute jede Spur. Demnächst wird im Strafprozess die Großmutter von Denis W. als Zeugin aussagen. Sie kommt aus der Türkei und soll bestätigen, dass sie Immobilien besitzt und ihrem Enkel eine Goldkette schenkte. Ihre Aussage soll unter anderem die finanzielle Mittel erklären, über die Denis W. verfügt haben soll – nach dem Diebstahl der Big Maple Leaf.

Der Unternehmer Boris Fuchsmann verfolgt den Strafprozess aufmerksam. Er sagt, dass er sich auch nicht habe vorstellen können, dass seine Münze jemals aus dem Bode-Museum verschwinden könnte.