Berlin - Vier Monate nach dem spektakulären Diebstahl einer riesigen Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum wird immer wahrscheinlicher, dass die millionenschwere Beute zerlegt wurde. Es sei Goldstaub sichergestellt worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Beschlagnahmte Autos und Kleidung seien auf diese Spuren untersucht worden. Wegen des Goldabriebs werde davon ausgegangen, dass die kostbare Münze zerstört und in Stücken verkauft wurde.

Einer der vier Tatverdächtigen wurde am Donnerstag aus der Untersuchungshaft entlassen. Gegen den 19-Jährigen gebe es keinen dringenden Tatverdacht mehr, gegen ihn werde aber weiter ermittelt, so die Sprecherin.

Nach intensiven Ermittlungen gegen einen arabischstämmigen Clan waren am 12. Juni gegen vier Männer zwischen 18 und 20 Jahren Haftbefehle erlassen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte damals mitgeteilt, sie gehe bei dem Diebstahl von einer organisierten Bandenstruktur aus.

Zwei entsprechende Haftbefehle aufgehoben

Das Amtsgericht Tiergarten sehe derzeit kein bandenmäßiges Vorgehen, hieß es am Donnerstag. Zwei entsprechende Haftbefehle seien deshalb aufgehoben, zugleich aber neue wegen gemeinschaftlichen Diebstahls ausgestellt worden. Dies ist laut Sprecherin das Ergebnis von Haftprüfungen, die die Verteidiger der Verdächtigen beantragt hatten. Den vierten Haftprüfungstermin soll es in der nächsten Woche geben.

Alle vier Männer haben sich laut Staatsanwaltschaft bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die drei, die weiter in U-Haft sind, wurden laut Angaben streng getrennt in der Berliner Jugendstrafanstalt untergebracht.

Die riesige, 100 Kilogramm schwere Münze mit einem reinen Goldwert von 3,7 Millionen Euro war Ende März gestohlen worden. Die kanadische Goldmünze mit dem Bild von Königin Elizabeth II. war die Leihgabe eines Privatmanns. Die Münze mit dem Namen „Big Maple Leaf“ wurde 2007 in nur fünf Exemplaren von der Königlichen Kanadischen Münze geprägt.

Insiderkenntnisse aus dem Museum

Nach den Festnahmen hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, sie gehe davon aus, dass die Täter aus einem organisierten Clan stammten. Die Ermittlungen richteten sich gegen neun weitere Personen aus dem Bereich des Clans, darunter auch Väter der Festgenommenen, hieß es damals. Einer der Verdächtigen soll ein früherer Museumsaufseher sein, der aber nicht direkt zum Clan gehöre. Über den Aufseher kamen die Täter laut Ermittlungen an Insiderkenntnisse aus dem Museum.

Indes beklagt die Berliner Polizei eine unzureichende Zusammenarbeit mit dem Libanon im Kampf gegen kriminelle Großfamilien. Informationen seien oft schlecht oder kämen zu spät. Der Leiter des Dezernats Organisierte Kriminalität“ beim Landeskriminalamt, Dirk Jakob, sagte im RBB-Inforadio: „Die Rechtshilfe im Zusammenhang mit dem Libanon stellt immer wieder eine Ermittlungsgrenze für uns dar.“ Besonders, wenn die Quelle von Geldflüssen nach Deutschland untersucht werden soll, versickere die Spur relativ schnell. (dpa)