Berlin - Nach dem aufsehenerregenden Diebstahl einer millionenschweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum hat die Polizei vier Tatverdächtige festgenommen. Am Mittwochmorgen gab es eine große Razzia: Um 6 Uhr am Mittwoch war ein Spezialeinsatzkommando der Polizei ausgerückt. Bis zu 300 Beamte durchsuchten mehr als ein Dutzend Objekte - vor allem in Berlin. 

Um 14 Uhr teilten Polizei und Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz Einzelheiten zu dem spektakulären Fall mit. 

Goldmünze wohl veräußert

Wo sich die Münze befindet, ist laut Polizei unklar. Sie wurde bei der Razzia nicht gefunden und ist vermutlich verkauft und möglicherweise zerstört worden. "Wir gehen davon aus, dass sie in Teilen oder ganz veräußert wurde", sagte Carsten Pfohl vom Landeskriminalamt Berlin. Sie sei wohl in sehr kleine Teile zerlegt worden. 

Die Ermittler gehen demnach nicht davon aus, noch Bestandteile der Münze zu finden. "Meine Hoffnung, dass wir die Münze auch nur in Teilen finden, ist relativ gering", so Pfohl. Gehofft werde aber, noch Goldabrieb an Kleidung oder Autos nachweisen zu können. 

Oberstaatsanwältin Martina Lamb teilte mit, dass es sich bei den Verdächtigen um Mitglieder eines arabischen Clans aus Neukölln und somit eine organisierte Bandenstruktur handelt. 

Täter hatten Hinweise aus dem Museum

Die Ermittlungen hätten zudem bestätigt, dass aus dem Bereich des Museums Hinweise an die Täter gelangten, so Lamb. Ein Mitarbeiter des Museums sei einer der Festgenommenen. Ihm sei zuvor aus anderen Gründen gekündigt worden. Nähere Angaben machten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht. 

Insgesamt seien bei der Razzia am Vormittag vier Personen festgenommen worden. Alle seien zwischen 18 und 20 Jahren alt. Sie sitzen nun in Untersuchungshaft. 

Von den vier Inhaftierten sollen laut den Ermittlungen zwei auf den Videos zu sehen gewesen sein, die die Polizei vor einer Woche aus Überwachungskameras vom S-Bahnhof Hackescher Markt nahe dem Museum veröffentlicht hatte. 

Das Ermittlungsverfahren richte sich insgesamt gegen neun weitere Personen aus dem Clan und einen mutmaßlichen Hehler.

Bei der Razzia seien unter anderem vier scharfe Schusswaffen, ein sechsstelliger Geldbetrag sowie fünf Fahrzeuge sichergestellt worden. 

Zwei Mal sollen die Täter das Museum zuvor ausspioniert haben, zuletzt am 21. März. An diesem Tag habe es einen Diebstahlsversuch gegeben. Ob und wie das Museum darauf reagiert habe, sei unklar.

Ermittlungen gegen Museums-Servicekräfte 

Der Sicherheitsexperte der Staatlichen Museen, Hans-Jürgen Harras, teile im Anschluss an die Pressekonferenz mit, dass in den Diebstahl der kostbaren Goldmünze auch zwei Servicekräfte der Staatlichen Museen verwickelt seien. Die Ermittlungen der Polizei beträfen unter anderem zwei Personen, die diese Arbeit ausgenutzt hätten, um die Museen zu schädigen, so Harras. "Dass die Arbeit der Polizei dies aufklären konnte, freut uns und hebt auch ein durch die Tat entstandenes generelles Misstrauen gegenüber allen Museumsmitarbeitern sowie vertraglich gebundenen Unternehmen und deren Mitarbeitern auf."

Goldmünze ist 3,7 Millionen Euro wert

Diebe hatten Ende März eine zwei Zentner schwere kanadische Goldmünze mit dem Bild von Königin Elizabeth II. aus dem Bode-Museum gestohlen. Allein das Material - reinstes Gold - ist geschätzt etwa 3,7 Millionen Euro wert.

Wegen der Schwere der Münze ging die Polizei von mehreren Tätern aus. Sie waren am frühen Morgen über die direkt an dem Museum vorbeiführende S-Bahntrasse in das Gebäude eingestiegen. Eine Leiter und eine Schubkarre ließen sie in der Nähe stehen. 

Das gestohlene Goldstück namens „Big Maple Leaf“, 2007 in nur fünf Exemplaren von der Königlichen Kanadischen Münze geprägt, war die Leihgabe eines Privatmanns an das Bode-Museum. (mit dpa)