Wenn das Bikini-Haus an diesem Donnerstag nach mehr als dreijährigem Umbau öffnet und der Renaissance des alten Berliner Westens noch mehr Glanz verleihen soll, wird einer interessiert am Rand stehen und schauen, wie es so läuft. In den Mittelpunkt jedoch wird er sich kaum drängen. Dafür ist Dionys Ottl nicht der Typ. Er ist der Architekt, nicht der Mann für den großen Auftritt.

Seit fast zwei Jahren lebt der 49-jährige Münchener in Berlin. Man könnte sagen, er lebt auf der Baustelle an der Budapester Straße, so viel war dort zu tun. Das hängt damit zusammen, dass Ottl aufgesprungen ist, als alles schon lief. Ursprünglich nur zuständig für den Innenausbau, wurde er schließlich zum Chef des Baus.

Ottl gehört zum Münchener Architekturbüro Hild und K., wobei Hild für Andreas Hild steht und K für Kollegen. Einer dieser zwei Kollegen ist Dionys Ottl. Seine erste Arbeit war der Umbau des Rottenkolber Stadls, einer alten Lagerhalle, im niederbayerischen Landshut zum Kleinen Theater der Stadt, das Platz für 99 Besucher bietet.

Seine Beschäftigung mit dem Bikini-Haus habe ihn an die Anfänge in Landshut erinnert, sagt Ottl. „Hier wie dort musste man mit Herz und Gefühl arbeiten, auf Kleinigkeiten achten und die großen Linien im Blick behalten.“ Er mag den Umgang mit historischen Gebäuden. So entstand aus einem recht banalen Bürohaus mit schützenswerter Fassade der Nachkriegsmoderne das Bikini Berlin, ein Kaufhaus – ach was: eine Concept Mall – mit Mode- und Designläden. Hochwertig, aber nicht luxuriös, auf keinen Fall beliebig soll das Angebot sein. Dazu musste auch das Gebäude passen.

Der Weg dorthin war zum Teil extrem aufwendig. Etwa, als ein Kran riesige Fachwerkelemente eigens über das 18-geschossige Hochhaus am Bahnhof Zoo hieven musste, weil man sie sonst nicht auf die Baustelle bekommen hätte. Ottl hätte sich dazu ein Luftschiff gewünscht, sagt er.

Bei allem Geklingel über diese angeblich ganz neue Form des Einkaufens legt Ottl Wert darauf, nicht nur der Mann fürs Schöne, Teure zu sein. Lieber erinnert er daran, dass er in München jahrelang Sozialwohnungen gebaut habe. Wer weiß, vielleicht, ereilt ihn demnächst wieder ein ähnlicher Ruf. Ottl will nämlich mit 18 seiner Leute in Berlin bleiben. Vorerst zumindest. Doch dafür braucht er Aufträge, die er bisher nicht hat. Was er denn umbauen wolle? „Gerne auch ein paar unfrohe Häuser“, sagt er, etwa Plattenbauten im Osten. Oder den asbestbelasteten Steglitzer Kreisel. „Her damit!“