Der 3. Oktober 1990 war End- und Anfangspunkt. An diesem historischen Datum endete zumindest der formelle Prozess der deutschen Wiedervereinigung und mit ihm die fast 41-jährige Geschichte der DDR. Gleichzeitig begann die gemeinsame deutsche Geschichtsschreibung der Neuzeit.

Die Entwicklungen, die schließlich im Beitritt der ostdeutschen Bundesländer zur BRD endeten, nahmen jedoch bereits mehr als ein Jahr zuvor ihren Ausgang mit den Montagsdemonstrationen, vor allem in Leipzig. Der Mauerfall am 9. November 1989 läutete dann endgültig den Untergang der DDR ein. In den Folgemonaten wandelte sich der Slogan der Montagsdemonstranten von "Wir sind das Volk" zu "Wir sind ein Volk". Die Vereinigung beider Staaten wurde zum politischen Ziel.

Dieses wurde durch den Ausgang der ersten freien Volkskammerwahlen in der DDR bestärkt, bei denen die konservative Allianz für Deutschland fast die Hälfte der 400 Mandate erringen konnte. Für dieses übernahm der CDU-Vorsitzende Lothar de Maizière das Amt des Ministerpräsidenten und wurde für die Regierung Kohl zum Verhandlungspartner für die Wiedervereinigung.

Als wesentlicher Schritt dahin einigten sich die Finanzminister beider Länder im Mai auf den Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion. Er trat zum 1. Juli in Kraft und bedeutete für die DDR-Bürger vor allem die Einführung der D-Mark sowie die Übernahme von DDR-Betrieben durch die Treuhand.

Beethoven und Feuerwerk

Am 31. August unterzeichneten BRD-Innenminister Wolfgang Schäuble und DDR-Verhandlungsführer Günther Krause den Einigungsvertrag, der die Auflösung der DDR und den Beitritt zur BRD regelte. Deutschland befand sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch unter Besatzungsrecht. Für eine Einigung war daher auch die Zustimmung der Allierten Frankreich, Großbritannien, USA und Sowjetunion notwendig. Diese wurde schließlich im Zwei-plus-Vier-Vertrag am 12. September 1989 gegeben, durch den Deutschland seine volle Souveränität zurückerhielt.

Damit war der Weg zur Wiedervereinigung frei. Als Datum hatte die Volkskammer den 3. Oktober festgelegt. Als Hauptort der Festivitäten wurde das nun nicht mehr geteilte Berlin auserkoren. Dort begannen die Feierlichkeiten bereits am Vortag mit der Verabschiedung der drei allierten Stadtkommandanten durch den Berliner Senat. Am Abend dirigierte dann Kurt Masur, Kapellmeister des Leipziger Gewandhauses, im Konzerthaus am Gendarmenmarkt Beethovens Neunte Symphonie.

In der Nacht zog es die Menschen auf die Straße. Zum Zeitpunkt des offiziellen Beitritts um Mitternacht versammelte sich vor dem Reichstag und Brandenburger Tor ein große Menschenmenge. Um null Uhr wurde die deutsche Fahne gehisst und ein Bläserchor intonierte das Deutschlandlied, bevor in Berlin wie auch in vielen anderen Städten ein Feuerwerk gezündet wurde. Den Schlusspunkt der offiziellen Feierlichkeiten setzte dann am Tag ein Staatsakt in der Berliner Philharmonie.