Der Statue von Karl Marx wurde in Neubrandenburg der Unterarm amputiert. Weder Arm noch Täter wurden je gefunden, die Polizei hat den Fall geschlossen. Sieben Monate ist es jetzt her. Bis vor wenigen Tagen stand die Statue dort am Schwanenteich. Heute ist sie bei der Bildgießerei Seiler in Schöneiche bei Berlin angekommen. Die Kunsthandwerker sollen den verlorenen Arm ersetzen. Zehn Monate soll die Restaurierung dauern. 

In der Bildgießerei Seiler wurde die Karl-Marx-Statue 1969 auch gegossen. Die Vorlage dafür lieferte der Bildhauer Gerhard Thieme. Der 2018 verstorbene Künstler hat Berlin mit seinen stadtgeschichtlichen Arbeiten maßgeblich geprägt: An vielen Ecken sind seine Werke zu sehen, wie zum Beispiel der Tröpfelbrunnen „Kletternde Kinder“ in Pankow. Nun musste ein anderer Künstler der Gießerei die Vorlage für den Unterarm des wohl bekanntesten Kapitalismus-Kritikers liefern. 

Thomas Seiler, Chef der Bildgießerei Seiler, findet das bedauerlich: „Der Wert einer Statue ist unersetzlich – den kann man für kein Geld der Welt wiederherstellen.“ Vor allem, wenn die Künstler nicht mehr lebten und es keine Formen oder Modelle mehr gebe, werde es schwierig. In diesem Fall habe man zwar einen anderen Künstler gefunden, der den Unterarm nachstelle. Aber wenn die ganze Statue gestohlen werde, werde sie für gewöhnlich nicht mehr ersetzt. Das war zum Beispiel bei der 1953 aufgestellten Karl-Marx-Statue von Otto Rost in Dresden der Fall: Sie wurde unwiederbringlich zerstört. Heute stehen noch 16 Statuen von Marx in Deutschland. Häufig werden sie mit Farbe beschmiert oder anderweitig beschädigt. 

Die Restaurierung findet in der Geburtsstätte der Statue statt

Für die Arm-Amputation könne es laut Seiler verschiedene Motive geben. Oft seien Buntmetalldiebe am Werk. „Manchmal ist das aber auch pure Gewalt, da wird dann einfach mit ’nem Hammer gegen die Statue geschlagen“, sagt Seiler. Das sei „reiner Vandalismus, blanke Zerstörungswut“.

Im Falle der Karl-Marx-Statue weise jedoch ein sauberer Schnitt an der Schulter darauf hin, dass die Aktion geplant und professionell durchgeführt wurde. Seiler vermutet, dass hier eine akkubetriebene Maschine verwendet wurde. „Natürlich macht das Krach, deshalb trifft es meist Statuen, die in großen Parkanlagen stehen“, so Seiler. In Eisenhüttenstadt in Brandenburg habe man das Problem erkannt. Hier würden Plastiken nun aus Parks hinaus und mehr ins Zentrum geschafft. 

Statuen fallen Buntmetalldieben und Vandalen zum Opfer 

Buntmetalldiebe tragen ihre Beute anschließend zu Schrottunternehmen, wo sie eingeschmolzen wird. Oft passiere das laut Seiler im Ausland. „Die Schrotter in Deutschland dürfen so etwas nicht annehmen und müssen bei Verdacht auf Diebstahl die Polizei anrufen“, sagt er. Besonders ertragreich ist der Diebstahl des Unterarms jedoch nicht. Seiler schätzt das Gewicht des Armes auf fünf bis sieben Kilo, was 20 bis 30 Euro für das eingeschmolzene Metall ergebe. Die Wiederherstellung des Armes hingegen sei um ein Vielfaches teurer als die Produktion des Originals.

Der Neubrandenburger Stadtsprecher Jan Ole Kiel sagte, für die Karl-Marx-Statue würden die Kosten für die Restaurierung und den Transport sich auf schätzungsweise 5000 Euro belaufen. Doch die Bürger der Stadt scheinen an ihrer Statue zu hängen: Allein über Spenden wurden 6000 Euro eingenommen, um dem Denker aus Bronze seinen Unterarm zurückzugeben.