Berlin - In einem drastisch formulierten Brief an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ruft das Kollegium der Hermann-Schulz-Grundschule um Hilfe, damit die wachsende Zahl der nichtdeutschsprechenden Roma-Kinder angemessen betreut werden kann. „Seit August 2011 stellen wir einen ständigen Zuzug von Familien aus dem südosteuropäischen Raum fest“, schreiben die Lehrer in den Brief, der der Berliner Zeitung vorliegt. In den vergangenen Monaten seien der Reinickendorfer Grundschule 16 Kinder zugewiesen worden, die „über keinerlei Deutschkenntnisse verfügten“.

Jedes fünfte Kind kann kein Deutsch

In einer ersten Klasse sei schon jedes fünfte Kind ohne Deutschkenntnisse. „Auch der begabteste Pädagoge kann unter dieser Voraussetzung keinen für alle Kinder zufriedenstellenden Unterricht durchführen“, heißt es in dem Schreiben, das die Lehrer selbst als „Brandbrief“ bezeichnen. Da sich die Lehrer auf die nichtdeutschsprechenden Kinder konzentrieren müssten, führe dies „zwangsläufig zu einer Benachteiligung der übrigen Kinder“.

Tatsächlich hat die in Reinickendorf-West gelegene Grundschule bereits jetzt einen sozial schwierigen Einzugsbereich, die Kinder stammen nicht selten aus Hartz-IV-Familien, viele Mütter sind alleinerziehend. „Aber nun sind neue Probleme hinzugekommen, bei deren Bewältigung wir uns allein gelassen fühlen“, schreiben die Lehrer. Davon sei man „überfordert“. Das Kollegium der Schule fordert nun Kleinklassen und mehr Lehrer, damit die Roma-Kinder zunächst Deutsch lernen können

Auch Eltern wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht erreichbar

Erst in dieser Woche hat der zuständige Reinickendorfer Oberschulrat der Schule nach monatelangem Bitten in Aussicht gestellt, dass die Schule zwei so genannte temporäre Lerngruppen für diese Kinder einrichten kann und dafür auch mehr Personal erhält. Die Lehrer beklagen, dass die Eltern der Roma-Kinder auch wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht erreichbar seien. Mehrere dieser Familien wohnen offenbar in einem Haus in der Scharnweberstraße, teilweise würden acht Menschen in einer Zwei-Raum-Wohnung leben, berichten Lehrer.

Bisher hatten vor allem Neuköllner Schulen mit dem verstärkten Zuzug von kinderreichen Roma-Familien aus den südosteuropäischen EU-Ländern zu tun.