Berlin - Lange sah es so aus, als wollte die Berliner Bildungsverwaltung die schlechten Ergebnisse geheim halten. Zusammen mit Brandenburg erwog man sogar, die Auswertung der verpflichtenden Vergleichsarbeiten für Drittklässler gar nicht mehr zu veröffentlichen. Doch am Mittwoch wurden die „Vera-3“-Ergebnisse doch ins Internet gestellt.

Und sie sind tatsächlich wieder unbefriedigend ausgefallen. Schon im April vergangenen Jahres wurden denkbar schlechte Werte erzielt.

Jeder dritte Schüler versteht kaum einfache Sätze, nur jeder zwölfte  konnte zum Beispiel erfolgreich Zahlen dividieren. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) reagierte mit mahnenden Worten. „Vera bedeutet Anstrengungsbereitschaft von Schulleitungen und Lehrkräften, sich mit den Ergebnissen auseinanderzusetzen und daraus Schlüsse für ihren Unterricht zu ziehen.“ Das klang schon sehr so, als würden die Pädagogen die Vergleichsarbeiten nicht hinreichend ernst nehmen.

Fähigkeiten im Lesen und Zuhören lassen zu wünschen übrig

Dabei ist die Lage ernst: Insgesamt erreicht in Mathematik mehr als jeder dritte Schüler die Mindeststandards nicht, wenn es um das Addieren, Subtrahieren und weitere Zahlenoperationen geht. Nur gut die Hälfte der Schüler (53 Prozent) lösten wenigstens 50 Prozent der Aufgaben. Auch mit der Berechnung von Mustern und Strukturen hatten viele Grundschüler arge Probleme. Hier ging es darum, Reihen zu vervollständigen oder mit Bastelbögen und Hundertertafeln zu operieren. Gerade einmal 57 Prozent der Schüler lösten wenigstens die Hälfte der Aufgaben – und auch hier erreichte gut jeder fünfte Schüler noch nicht einmal die Mindeststandards.

Leider lassen auch die Deutschtests in Lesen und Zuhören zu wünschen übrig. 28 Prozent der Schüler erreichten die Mindeststandards beim Lesen nicht, die Schüler spätestens am Ende der 4. Klasse erreicht haben sollen. Und jeder vierte Drittklässler verstand einfache Sätze nicht. Erreichte also beim Zuhören die Mindeststandards hier nicht, wobei immerhin 60 Prozent bereits die Standards am Ende der vierten Klasse erreichten.

Die CDU übte scharfe Kritik: „Mit den Vergleichsarbeiten  wird uns alle Jahre wieder vor Augen geführt, wie wenig in Berlin die Sprachvermittlung gelingt“, sagte Katrin Schultze-Berndt, Vorsitzende des CDU-Landesfachausschusses  Bildung. „Doch anstatt eine große Sprachlern-Offensive in  Kita und  ersten Klassen zu starten, lässt sich der Senat einfach ein Jahr länger Zeit, die Kinder auf den Standard zu bringen, der in der Bundesrepublik gilt.“  Tatsächlich hat der rot-rot-grüne Senat im Koalitionsvertrag festgelegt, dass Berlin die Vera-Tests künftig erst in der 4. statt in der 3. Klasse schreiben wird.  Das wäre laut Kultusministerkonferenz bundesweit einmalig. „In allen Bundesländern werden die Tests  in der 3. Klasse geschrieben“, teilte Sprecher Torsten Heil mit. Berlin geht nun in die Verlängerung.

Teuerste Schulplätze

Richtig ist, dass die Tests das Wissen abfragen, das die Schüler am Ende der 4. Klasse erlangt haben sollen.  Viele andere Bundesländer veröffentlichen die Tests gar nicht. Sie sollen ja auch vor allem  den Lehrern eine Orientierungshilfe geben.

Entscheidend ist, dass die  Berliner Schüler, die zu Hause kein Deutsch sprechen, besonders schlecht im Lesen aber auch in Mathematik abschneiden. In Mathe gibt es einen Unterschied von 10 Prozentpunkten zu daheim Deutsch sprechenden Schülerschaft, beim Textverständnis sind es sogar 17 Prozentpunkte. Berlin steuert gegen: In  den neuen  Lehrplänen wird die Sprachbildung betont. Auch die jetzige Sprachförderung macht die Schulplätze in der Stadt zu den teuersten bundesweit.