Die Senatsbildungsverwaltung will durchsetzen, dass Lehrer ab 60 Jahren drei Stunden weniger unterrichten als bisher. Diesen Plan hat Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) nach Informationen der Berliner Zeitung der Senatsfinanzverwaltung unterbreitet, er ist dort aber wegen der erheblichen finanziellen Auswirkungen auf vehemente Ablehnung gestoßen.

Anlass für diesen Vorstoß der Bildungsverwaltung ist einerseits die stetig steigende Zahl der dauererkrankten Lehrer, die das Land derzeit jährlich 50 Millionen Euro kosten. Außerdem soll damit der von der Koalition bereits beschlossene Wegfall der Lehrerarbeitszeitkonten ausgeglichen werden.

Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich eines jener Konstrukte, für die die Schulverwaltung so berüchtigt ist: Als Ausgleich für eine vor Jahren beschlossene Verlängerung der Arbeitszeit können sich Lehrer jährlich fünf Tage gut schreiben lassen. Die Folge ist, dass Lehrer oft Monate früher in Pension gehen, mitten im Schuljahr, dann aber kaum Ersatz zu finden ist.

Hartmut Schurig, Landeschef der Bildungsgewerkschaft GEW, begrüßte den Vorstoß der Bildungsverwaltung. „Wir hoffen, dass wir hier gemeinsam zu guten Ergebnissen kommen.“ Die GEW fordert bereits seit Jahren eine Altersermäßigung für ältere Lehrer – eine Stunde ab 55 Jahren, zwei weitere Stunden ab 60 Jahren.

Am 7. Juni soll es dazu eine Protestveranstaltung geben, an der auch die Junglehrer-Initiative „Bildet Berlin!“ für ihr Anliegen werben will. Offenbar will Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) die Arbeitszeitkonten ohne Gegenleistung abschaffen, kostenneutral.

Würden Lehrer ab 60 Jahren drei Stunden weniger unterrichten, müsste Berlin nach Berechnungen der Bildungsverwaltung gut 500 Lehrer zusätzlich neu einstellen. Das kostet abhängig von den Schülerzahlen mindestens 25 Millionen Euro pro Jahr. Die Bildungsverwaltung bereitet zudem eine Befragung von Lehrern vor, um mehr über die Gründe für die hohe Zahl der kranken Lehrer zu erfahren.

„Wir wollen stärker präventiv wirken“, sagte Sprecherin Beate Stoffers. Derzeit gelten 1 550 Lehrer als dauerkrank, leiden an Burn-out-Phänomenen oder Krebs. Diese Zahl hat sich innerhalb von fünf Jahren nahezu verdoppelt. Anders als angestellte Lehrer beziehen verbeamtete Pädagogen ihr volles Gehalt bei einer Erkrankung teils über Jahre weiter.

Lehrer müssen pro Woche zwischen 26 und 28 Stunden unterrichten, hinzu kommen Vor- und Nachbereitung sowie Elterngespräche.