So viel Lob haben deutsche Schulen zuletzt selten erfahren: Acht Jahre nach dem Start haben Hamburger Bildungsforscher den neuen Gemeinschaftsschulen ein überaus positives Zeugnis ausgestellt. Schüler erzielten dort messbar größere Lernfortschritte als an traditionell gegliederten Vergleichsschulen in Hamburg, heißt es im Abschlussbericht zur Pilotphase, die die Wissenschaftler begleitet haben. Zudem schneiden die getesteten Gemeinschaftsschüler auch in Mathe und Naturwissenschaften deutlich besser ab als noch vor einigen Jahren.

„Das ist eine bemerkenswert positive Entwicklung“, sagte Studienleiter Ulrich Vieluf vom Hamburger Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung. Ganz bedeutsam sei, dass die Lernzuwächse gerade an Gemeinschaftsschulen in sozialen Brennpunkten besonders hoch seien. Also bei Schülern, die zu Hause eine andere Sprache als Deutsch sprechen oder deren Eltern deutlich weniger als 100 Bücher besitzen. Schon seit Jahren kritisiert die OECD Deutschland dafür, dass der Bildungserfolg von Schülern hierzulande besonders abhängig sei von der sozialen Herkunft.

Offiziell werden die inzwischen 24 Berliner Gemeinschaftsschulen zum Schultyp Sekundarschule gezählt. Das Besondere ist aber, dass Kinder und Jugendliche von der 1. bis mindestens zur 10. Klasse gemeinsam lernen, nicht nach Leistungsniveau in verschiedene Kurse aufgeteilt werden, sondern je nach Entwicklungsstand individuell gefördert werden. Auch klassische Noten gibt es dort oft erst spät. 10 Gemeinschaftsschulen haben eine gymnasiale Oberstufe, drei weitere bieten Verbundlösungen an. Darunter ab kommenden Schuljahr auch die Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule in Prenzlauer Berg, die mit dem OSZ Elinor Ostrom kooperiert.

Rechtschreibung ist ein Problem

Generell schnitten die Berliner Gemeinschaftsschüler beim Leseverständnis, aber auch in Englisch und Mathe deutlich besser ab als die Hamburger Vergleichsschüler. Allerdings haben sich die Rechtschreibkenntnisse innerhalb von wenigen Jahren messbar verschlechtert. Das ist einer der wenigen Negativbefunde des Berichts. Positiv hingegen wird gewertet, dass auch behinderte und verhaltensauffällige Schüler vom Unterrichtsstil an Gemeinschaftsschulen profitieren und dem Lernzuwachs der Mitschüler nicht hinderlich sind. „Wer über Inklusion redet, sollte die Berliner Gemeinschaftsschulen anschauen“, sagte Vieluf.

Hauptursache für den Erfolg sei die individuelle Förderung der Schüler. Es gebe ein breites Spektrum an Unterrichtsmethoden, stellte die Hamburger Professorin Dagmar Killus fest. Dazu zählten selbstständiges Arbeiten in kleinen Gruppen, Schülerfeedback und Lernunterstützung. „Im Unterricht schließen sich Öffnung und Lehrersteuerung nicht aus“, sagte Killus. Ganz wichtig sei die Teamarbeit oder dass Lehrer und Sozialpädagogen gemeinsam die Klassenleitung übernehmen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres will nun prüfen, wie man die Gemeinschaftsschulen rechtlich in Berlin verstetigen kann.