Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht eine Verschlechterung der Unterrichtsqualität an den Berliner Grundschulen. Das vom Senat geplante neue System zur Verteilung der Lehrer führe vielerorts zu größeren Klassen, sagte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann am Freitag. Denn künftig müssten etliche Schulen mehr Schüler pro Klasse aufnehmen, um die regulären Personalmittel auf dem bisherigen Niveau zu erhalten.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ändert zum Sommer die Lehrerverteilung an den 370 Grundschulen. Entscheidend wird die Anzahl der Kinder in einer Klasse: Sind es mehr als 24, erhalten die Schulen zusätzliche Lehrerstunden, solche mit kleineren Klassen weniger Lehrerstunden.

Grundausstattung an Lehrerstunden wird geringer ausfallen

Damit wird eine seit acht Jahren praktizierte Regelung aufgegeben: Seither gab es pauschal eine Zuweisung pro Klasse, unabhängig von der Zahl der Kinder. Nun erhält eine Grundschule pro Schüler rechnerisch 1,17 Wochenstunden für die normale Stundentafel sowie 0,08 Stunden für Förderunterricht.

Insbesondere Schulen in Problemkiezen durften bisher kleinere Klassen einrichten, um schwierigere Schüler besser fördern zu können. Das wird nun erschwert, da die Grundausstattung an Lehrerstunden geringer ausfällt. Sprachförder- und Integrationsstunden bleiben davon unberührt.

12.000 Flüchtlingskinder sollen in Regelklassen integriert werden

„Die Neuregelung ist eine Reaktion auf steigende Schülerzahlen, Raummangel und die Tatsache, dass nicht genug Grundschullehrer zu finden sind“, sagte Nuri Kiefer vom GEW-Vorstand. Allerdings werde die Schülerzahl deutlich stärker wachsen als die Anzahl der Lehrerstunden.

Das machte die GEW am Beispiel der Kurt-Tucholsky-Grundschule in Mitte und der Hannah-Höch-Gemeinschaftsschule im Märkischen Viertel deutlich. Beate Stoffers, Sprecherin von Schulsenatorin Scheeres, wies darauf hin, dass bestimmte pädagogische Maßnahmen noch mit der Finanzverwaltung verhandelt werden und noch nicht in der Ausstattungsberechnung auftauchen – zum Beispiel der der Übergang der 12.000 Flüchtlingskinder aus Willkommens- in reguläre Klassen.

„Das ist doch gerecht“

Maja Lasic, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion unterstützt die Neuregelung. „Brennpunktschulen haben meist schon größere Klassen – meine Schulen im Wahlkreis Gesundbrunnen sind alle längt über der Klassengröße von 24 Schülern und werden von der Reform profitieren.“

Dann bekämen diese Schulen eine bessere Ausstattung als Grundschulen am Stadtrand, die teilweise nur 20 Schüler in der Klasse haben. „Das ist doch gerecht“, sagte Lasic.