Berlin - Die Lehrerausbilder an den Berliner Universitäten sind beunruhigt. Ab Herbst sollen angehende Pädagogen nach einem neuen Lehrerbildungsgesetz ausgebildet werden. Doch das Gesetz ist noch immer nicht auf den Weg gebracht. Denn die rot-schwarze Koalition streitet heftig darüber, ob es künftig eine gemeinsame Ausbildung für alle Oberschullehrer geben soll. Das wünscht die SPD. Der Koalitionspartner CDU beharrt aber auf einer unterschiedlichen Ausbildung für Sekundarschul- und für Gymnasialschullehrer. Die CDU befürchtet, dass mit der einheitlichen Lehrerausbildung die Grenzen zwischen Sekundarschule und Gymnasium immer weiter aufgeweicht werden. Sie wird unterstützt vom Gymnasialschulleiterverband, der vor dem „Einheitslehrer“ warnt.

Ein Krisengespräch zwischen den beiden Fraktionschefs Raed Saleh (SPD) und Florian Graf (CDU) brachte keine Lösung. Nun sind der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Vize-Regierungschef Frank Henkel (CDU) damit befasst. „In nächster Zukunft wird es dazu ein Chefgespräch geben“, bestätigte Michael Thiedemann, Sprecher der CDU-Fraktion.

Vor Parteifreunden in Steglitz-Zehlendorf hatte Henkel Mitte Januar schon klargemacht, was er von der einheitlichen Oberschulausbildung hält: „Das ist die Abschaffung des Gymnasiums durch die Hintertür“, rief er aus. „Bei der Verbeamtung konnten wir uns nicht durchsetzen in den Koalitionsverhandlungen. Aber wenn es um Einführung von Einheitslehrern in Einheitsschulen geht, da werde ich nicht mitmachen, da werde ich den Konflikt aushalten.“ CDU-Bildungspolitiker ergänzen, dass Gymnasiasten von besonders qualifizierten Fachlehrern profitieren, während es an vielen Sekundarschulen besonders schwierige Schüler gebe. Deshalb seien unterschiedliche Studiengänge nötig.

Die SPD-Bildungspolitiker hingegen verweisen darauf, dass die Arbeit an Sekundarschule und Gymnasium die gleichen pädagogischen Fertigkeiten erfordere. Auch die Gymnasien müssten sich auf ihre zunehmend heterogene Schülerschaft einstellen, meint Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Lehrer sollten sich der jeweiligen Schülerschaft anpassen können, hatte bereits die von Scheeres eingesetzte Baumert-Kommission empfohlen. Im übrigen haben auch jetzt schon viele Sekundarschullehrer eine Studienratsausbildung.

Abstimmung im Ausschuss

Kurios ist in diesem Zusammenhang, dass die Bildungsverwaltung gerade ein „Leitbild Berliner Schule“ erarbeitet hat. Darin wird klar unterschieden zwischen Gymnasium und Sekundarschule. Ziel des Gymnasiums sei das Erreichen der Studierfähigkeit, heißt es. Gymnasiasten zeigten ein hohes Maß an Leistungsorientierung oder Anstrengungsbereitschaft. Sie würden befähigt, Fächer verbindend zu arbeiten und abstrakt zu denken. Ihnen eigen sei der Erwerb umfassenden kulturrelevanten Wissens und fremdsprachlicher Kompetenz.

Die Sekundarschulen hingegen werden laut Leitbild Schülern mit den unterschiedlichsten Lernvoraussetzungen gerecht. Ziel sei es, alle Schüler zu einem Abschluss zu führen, von der Berufsbildungsreife bis zum Abitur. Zentrales Element der Sekundarschulen sei die individuelle Förderung der Schüler. Das liest sich eher so, als seien diese Schultypen recht verschiedenartig.

Die CDU gibt sich bei der Lehrerausbildung auch deshalb unversöhnlich, weil sie um bildungspolitisches Profil bemüht ist. Bei den Koalitionsverhandlungen nämlich war sie mit ihren beiden Forderungen nach einer Rückkehr zur Lehrerverbeamtung und nach einem Wahlpflichtfach Religion auf ganzer Linie gescheitert. Am heutigen Donnerstag wollen die Grünen die CDU im Abgeordnetenhaus auf Abweichlerkurs bringen. Sie stellen im Bildungsausschuss einen Gesetzentwurf zur Abstimmung, der den frühen Einschulungstermin um ein Vierteljahr anhebt. Die CDU würde gerne zustimmen, heißt es. Sie wird es aus Koalitionsräson aber wohl nicht tun. (mit sab.)