Berlin - In Berlin, wo die Politiker trotz knapper Kassen gerne ganz Großes wagen, war nichts anderes zu erwarten: Das erst vor zwei Jahren reformierte Aufnahmeverfahren für die besonders begehrten Gymnasien und Sekundarschulen wird wohl erneut reformiert.

Nun sollen Geschwisterkinder und Kinder, die im Bezirk der Schule wohnen, wieder bevorzugt werden. Das allerdings steht in deutlichem Widerspruch zu dem bisher verfolgten politischen Ziel, eine breitere Durchmischung der Schülerschaft zu erreichen.

Denn Neuköllner Schüler sollten problemlos auch Zehlendorfer Gymnasien besuchen können. Theoretisch zumindest. Nun wird es wieder anders werden. Eine klare politische Linie ist darin nicht zu erkennen. Der erneute Richtungswechsel erklärt sich vor allem dadurch, dass die nun mitregierende CDU gerne auch mal bildungspolitisch etwas durchsetzen will.

Erst recht erschließt sich nicht, wieso die Geschwisterkindregelung für Siebtklässler wieder eingeführt werden soll. Für die Kleinen in der Grundschule ist diese bereits gültige Regelung sinnvoll, kann die große Schwerster den kleinen, noch ungeübten Bruder auf dem Schulweg begleiten. Auch Eltern, die ihre Kinder bringen, haben nur einen Weg zu absolvieren. Ein Dreizehnjähriger aber muss nicht mehr vom großen Bruder oder gar der Mutter an die Hand genommen werden.

Offiziell gilt die Geschwisterkind-Regelung für Kinder, die im selben Haushalt zusammenleben. In einer von Patchwork-Familien geprägten Stadt greift diese Regelung aber womöglich eh zu kurz. Was ist, wenn das eine Kind beim Vater, das andere bei der Mutter lebt? Wie steht es mit Halbgeschwistern oder Paaren mit getrennten Wohnungen? Nachher gibt es Geschwisterkinder erster und zweite Güte. Hier könnte die Schulbürokratie am wahren Leben scheitern.