Berlin - Nun wird es ernst: Der Landesbeirat unter dem Vorsitz von Ex-Bildungssenatorin Sybille Volkholz (Grüne) wird am Dienstag auf seiner letzten Sitzung Pläne vorstellen, wie sich möglichst alle Berliner Schulen für behinderte Schüler öffnen sollen. Denn Berlin will die UN-Konvention der Inklusion ab dem Schuljahr 2014/15 umsetzen, ein Jahr später als geplant.

Zunächst will man die fast 10.000 lern- und sprachbehinderten Kinder, die noch Sonderschulen besuchen, an Regelschulen unterbringen – vornehmlich an Grund- und Sekundarschulen. Über 70 Prozent aller Kinder mit Behinderungen sind lern- oder sprachbehindert. Weitere knapp 10.000 lern- oder sprachbehinderte Kinder besuchen heute schon eine Regelschule.

Das Lehrpersonal wird knapp

Allerdings soll dies künftig anders unterstützt werden: Laut Volkholz soll jede Schule pauschal zusätzliche Sonderpädagogen erhalten, die an auslaufenden Sonderschulen nicht mehr gebraucht werden. Bisher gab es pro Einzelfall zusätzliche Sonderpädagogen-Stunden. Künftig würde es so aussehen: Je nach dem Anteil jener Eltern, die von der Lernmittelzuzahlung befreit sind, soll die Quote der zusätzlichen Personalausstattung bei 2,5 bis 5,5 Prozent liegen. Dies ist höchst strittig, da die Quote der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf berlinweit deutlich höher liegt, nämlich bei über sieben Prozent.

„Neben dieser verlässlichen Grundausstattung können aber bei Bedarf zusätzliche Sonderpädagogen an die Schulen gegeben werden“, sagt Volkholz. Allerdings ist das Schulsystem gerade bei der Personalausstattung bisher kaum durch große Flexibilität aufgefallen. Die Linke-Bildungspolitikerin Regina Kittler mahnt, dass es durch Pensionierungen bereits jetzt 300 Sonderpädagogen weniger im Schulsystem gebe als noch vor wenigen Jahren.

Strittig ist zudem, dass Verhaltensauffälligkeit und Lernbehinderung der Schulen künftig erst nach der Einschulung von den Pädagogen selbst festgestellt werden soll. Auch bei Sprachdefiziten hat die Schule künftig das letzte Wort, eine Förderung für Sprachbehinderte soll immer zunächst auf ein Jahr begrenzt sein. Bisher war eine Förderung über Jahre verbindlich.

Millioneninvestitionen notwendig

In vielen Bezirken bleibt vorerst eine Sonderschule für Sprach- und Lernbehinderte offen, damit Eltern die gesetzlich garantierte Wahlfreiheit haben. Sonderschulen für geistig und körperlich Behinderte bleiben vorerst erhalten. Allerdings soll es pro Bezirk auch Schwerpunktschulen geben, die sich auf die Förderung einer bestimmten Behinderung spezialisieren. „In einer Klasse sollen nicht mehr als drei Schüler mit dieser Behinderung sein“, sagte Volkholz. In jedem Bezirk wird es ein Beratungs- und Unterstützungszentrum (BuZ) geben, das auch für die Fortbildungen zuständig ist.

Im Beirat geht man davon aus, dass allein für Personal jährlich 15 Millionen Euro zusätzlich nötig sind sowie fünf Millionen Euro für die BuZ. Hinzu käme ein dreistelliger Millionenbetrag, um alle Schulen für Rollstuhlfahrer geeignet zu machen. Vieles hängt von den nächsten Haushaltsverhandlungen ab.