Berlin - Schön sei es, dass die neue Bildungssenatorin „gleich in unsere Zirkusmanege gekommen ist“. Das sagt ein Schulleiter nach dem ersten öffentlichen Auftritt der neuen Senatorin Sandra Scheeres (SPD) vor den selbstbewussten Schulleitern der Stadt. Gut 90 Mitglieder der GEW-Schulleitervereinigung waren am Mittwochabend in die Aula der Charlottenburger Friedensburg-Oberschule gekommen. Die Aula wurde gewissermaßen zur Manege, und die Schuldirektoren wollten schauen, ob die noch fachfremde Frau Scheeres irgendwelche Kunststücke zu vollbringen verspricht – oder gar durch den ein oder anderen Reifen springt, den ihr die Schulleiter hinzuhalten versuchten.

Ihren schulpolitischen Schwerpunkt machte sie umgehend deutlich: „Jetzt sind die Grundschulen dran“, sagte Scheeres. Nach der jüngsten Oberschulreform sei ihr daran gelegen, diese mit mehr Leitungspersonal und Verwaltungshilfen auszustatten.

Streitfall Ganztagsbetrieb

Von sich aus hatten die anwesenden Schulleiter drei Themen in den Vordergrund gestellt. Die Umsetzung der Inklusion, also die Frage, wie behinderten Kindern künftig der Besuch einer Regelschule ermöglicht werden soll, war das erste Thema. Hier stimmte Scheeres zu, dass das „nicht zum Nulltarif“ zu machen sei. Das bisherige Konzept müsse noch einmal überarbeitet werden. Wichtig sei, dass zusätzliche Förderstunden künftig nach einheitlichen Kriterien bewilligt werden. Scheeres will auch einen Beirat etablieren, dem Eltern behinderter Kinder angehören sollen.

Das zweite Hauptthema war die Personalpolitik. Mehrere Schulleiter forderten, dass die Senatorin den angestellten Junglehrern zum Ende des Schulhalbjahres bis Februar ein attraktives Angebot vorlegen sollte, damit diese nicht in andere Bundesländer abwandern, wo sie verbeamtet werden und dann netto mehr verdienen. Scheeres stellte ein solches Angebot in Aussicht, wollte sich aber zeitlich nicht festlegen.

„Gegenseitige Wertschätzung“

Paul Schuknecht, Chef der GEW-Schulleitervereinigung, forderte dann als dritten Schwerpunkt die eigenverantwortliche Schule ein. Schulleiter sollten stärker selbst über Personal und Mitteleinsatz entscheiden. Er plädierte dafür, die Rolle der Schulaufsicht neu zu definieren. Unmut gab es , weil derzeit ab Jahresende kein Geld eingeplant ist, um Projekte mit außerschulischen Partnern zu finanzieren. Hier kamen bisher Mittel aus der sogenannten Personalkostenbudgetierung zum Einsatz, aus der auch Vertretungslehrer bezahlt werden. Scheeres verwies auf die anstehenden Haushaltsverhandlungen.

Die Leiter der Ganztagsgymnasien monierten dann noch ihre unzureichende Personalausstattung. Tatsächlich bekommen Sekundarschulen für ihren Ganztagsbetrieb dreimal so viele Stellen wie Gymnasien. Im Koalitionsvertrag stehe aber, dass die Zusatzausstattung für den Ganztagsbetrieb „schulartübergreifend identisch“ sein soll, so ein Schulleiter. Sandra Scheeres sagte nach einer guten Stunde, dass sie „die Probleme mitnehme“ und verließ die Manege. Einige Schulleiter waren hinterher angetan. Die neue Senatorin habe „keine solch abgebrühten Politikersprechblasen“ gebraucht. Auch Schuknecht sprach von „gegenseitiger Wertschätzung“. Er wurde anschließend in seinem Amt bestätigt. Zu seinen Stellvertretern wurden Gunilla Neukirchen vom Lankwitzer Beethoven-Gymnasium und Christiane Freund von der Weddinger Möwensee-Grundschule gewählt.